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Momentaufnahme|Ukraine

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By Oleksander 20 March ’14

Ich möchte nicht über die Geschehnisse, von denen in den Nachrichten viel berichtet wird und die jeder von euch gut kennt berichten. Es gibt bloße Tatsachen – es gibt dreißigtausend russische Soldaten in der Ukraine und noch weitere sechzigtausend in Erwartung der Befehle jenseits der ukrainischen Grenze, es gibt eine unwiderstehliche Bedrohung, der unser Land zum heutigen Zeitpunkt nicht vermag, Widerstand zu leisten. Es gibt bereits getötete Soldaten und einige Verletzte und es gibt keinen Menschen, der mit Gewissheit sagen könnte: alles wird bald wieder gut.

Ich möchte gerne berichten, was für Gespräche in meiner Familie geführt werden und was wir überhaupt fühlen. Meine Mama hat nicht immer Zugang zu Internet und Nachrichten, wenn sie auf der Arbeit ist. Und so rief sie mich heute mindestens 4 Mal an, um nach den neusten Nachrichten zu fragen. Es gibt kaum ein anderes Thema am Telefon. Und am meisten befürchtet sie, dass mein Bruder und ich einberufen werden. Noch gestern freute sie sich, dass der Janukowitsch fiel, und heute verdrückt sie kaum ihre Tränen. Dasselbe gilt für meine vor 4 Monaten geheiratete Frau. Sie sagt, dass sie mitkommt, wenn ich zum Wehrdienst einberufen werde.

Die Frage, die wir uns die ganze Zeit stellen ist, was kommt als Nächstes und wann kommt der nächste Schlag. Denn viele denken, die Krim sei nicht das endgültige Ziel von Putin und er wolle mehr bekommen. Das sagt er ja auch. Heute werden die Russen in den Osten des Landes hereingeführt. Sie rufen die pro-russische Bevölkerung zur Abtrennung von der Ukraine auf. Sie laufen mit Waffen herum und zielen auf die Menschen. Diese Leute werfen ukrainische Flaggen runter, zertreten sie mit den Füssen und schreien dabei, dass sie dem vermeintlichen ukrainischen Faschismus keine Chance lassen. Vor 3 Tagen in Charkiv haben sie einen Haufen Bücher über die Ukraine und ihre Geschichte verbrannt. An dem selben Abend wurden 2 Menschen erschossen. Die Russen kommen jeden Tag, das könnt ihr gut auf Videos sehen – dieselben Leute demonstrieren für Vereinigung mit Russland in Donetsk, Charkiv, Odessa, und geben sich für einheimische Bevölkerung aus. Sie sind sehr aggressiv. Sie haben überhaupt keinen Funken Respekt vor unserer Nation und unserer Wahl. Sie fühlen sich hier wie Herren und bringen viel Unruhe und Unrecht mit.

Ich hab den Eindruck, dass alles – meine Familie, mein Leben, mein Haus – heute sehr zerbrechlich ist und nur von einem Mann abhängt, der zum Unglück auf mein Leben, meine Familie und mein Haus scheißt. Er hat seine Ziele und was dabei die Ukrainer denken, wollen und erhoffen, ist ihm egal. So ist es im Moment in beinahe jedem ukrainischen Herzen und Haus.

Creative Commons Lizenzvertrag
Momentaufnahme|Ukraine von Oleksander (MitOst e.V.) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

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One thought on “Momentaufnahme|Ukraine

  1. Toll, dass es diese Möglichkeit gibt, solche persönlichen Sichtweisen zu bekommen. Danke Dir, Oleksander! In unseren Medien kommen die eigentlichen Ukrainer sowieso viel zu kurz.

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