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Moldotopia – ein Hoffnungsschimmer am Rande der EU?|Moldova

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ein Artikel von Valeria Șvarț-Gröger und Julian Gröger, Erstveröffentlichung auf oya-online.de
Foto by activEco

Ernest Callenbach hat sich in den 70ern in seinem großartigen Zukunftsroman “Ökotopia” eine Gesellschaft vorgestellt, in der Resilienz und Gemeinschaft gelebt wird. Dem Zeitgeist entsprechend wählte Ernest Callenbach damals für seine Utopi den Nordwesten der USA.
Wo würde man heute solch einen Ort und Zukunftsversprechungen hinverlegen? Vielleicht könnte man sich so etwas in Buthan oder auch in Bolivien vorstellen – aber innerhalb Europas? In welcher Region, in welchem Land könnte man sich bis 2040 einen tiefgreifenden Wandel vorstellen? Für eine neue Utopie wären Resilienz und innerer Frieden nur zwei Stichworte. Auf welches Land würdest Du setzen?

Damit große Veränderungen schnell durchzusetzen sind, sollte es wohl besser ein kleines Land sein. Das Land sollte gute Böden haben und dazu viele Menschen die etwas von Landwirtschaft verstehen. Es sollte nicht so stark industrialisiert und weniger in globale Stoffströme eingebunden sein und trotzdem genug natürliche Ressourcen haben um sich energetisch selbst versorgen zu können. Vielleicht trifft das auf Österreich zu? Aber kann eine solche Utopie in der EU liegen? Und verbrauchen die Österreicher nicht allein in 2014 schon viel zu viele Ressourcen?

Wir setzen auf Moldova, oder unser Moldotopia, wie wir unsere Vision nennen. Moldova – oder auch Moldawien im Volksmund oder Republik Moldau im offiziellen Sprech – liegt zwischen Rumänien und der Ukraine am Rande der EU. Die Hauptstadt ist Chișinău (sprich: Kischinau) und im ganzen leben 3,5 Millionen Menschen. Dort leben auf etwa der gleichen Fläche wie Nordrhein-Westfalen nur 3,5 Millionen Menschen – also nur ein Fünftel der Menschen, verglichen mit der Bevölkerungsdichte Westdeutschlands.

Die Voraussetzungen für einen Weg in Richtung Moldtopia 2040 sind 2014 folgende:
Moldova hat sehr gute Böden. Zu Sowjetzeiten war Moldova mit Georgien der Obst- und Gemüsegarten der Sowjetunion. Leider sind dadurch auch nur noch 9% des Landes bewaldet. Die Menschen kommen mit weniger Energie und Konsum aus als wir Deutschen. Etwa 40% der Menschen sind in der Landwirtschaft tätig und viele von ihnen versorgen sich selbst. Moldova wurde zu Sowjetzeiten aus politischen Gründen mit großindustriellen Plänen verschont, denn man befürchtete in Moskau, dass sich der Landstrich irgendwann wieder Rumänien anschließen könnte. Diese geringe Industrialisierung wird bis heute allgemein als ein Nachteil für die wirtschaftliche Entwicklung Moldovas gesehen, in unseren Augen liegt genau hier das Potential. In Moldova sind wir im Moment noch abhängig von russischem Gas. Das Potenzial an Solar- und Reststoff-Biomasse ist aber enorm. Die Menschen sprechen mehrheitlich Russisch und Rumänisch. Sie sehen diese Bilingualität immer mehr als Vorteil, denn als Bürde. Sowohl die rumänische als auch die russisch-sowjetische Kultur ist mit all ihren Schätzen in Moldova verankert: literarisch, kulinarisch und sprachlich.

Was ist jetzt aber Moldotopia?
Was wollen wir in dieser Region bis 2040 verändern und erreichen? Moldotopia ernährt seine Bevölkerung von rein ökologisch erzeugten Lebensmittlen aus regionalem Anbau. Das Fahrrad ist das meistbenutzte Verkehrsmittel. In den Städten fahren einige Trolleybusse, über Land ist der Schienenverkehr elektrifiziert und gut ausgebaut. In den Städten gibt es überall kleine Nachbarschaftsgemeinschaften, die zusammen wohnen, arbeiten, essen und feiern. Viele Häuser sind aus regionalen Baustoffen. Für den Bau von Häusern aus Holz, Stroh und Lehm sind Moldauer global geschätzte Experten. 40% des Landes sind bewaldet und 10% Naturschutzräume ohne Eingriffe des Menschen. In der Landwirtschaft hat sich die Agrarforstwirtschaft durchgesetzt. Erosion gibt es nicht, und das ist Grundwasser ist trinkbar, die Gewässer sauber. Es herrscht das Gefühl der Fülle vor dem Gefühl der Knappheit. Kinder sind das höchste Gut auf das die ganze Gemeinschaft aufpasst. Dies sind nur einige Aspekte von Moldtopia.

Wir von der moldauischen NGO “EcoVisio” arbeiten gemeinsam mit jungen Menschen in Moldova an der Erfindung und Umsetzung dieser Vision – von Moldotopia. Natürlich haben die meisten jungen Menschen eine andere Idee von der Zukunft ihres Landes. Im politischen Streit geht es häufig um die Ausrichtung EU vs. Russland und ein Regionalstolz ist nicht sehr verbreitet. Man fühlt sich entweder Rumänien oder Russland verbunden und streitet sich um die Ausrichtung des Landes. Auch der Konflikt um Transnistrien stört die Konzentration auf die eigene Entwicklung.

Mit unserem Programm “activEco – Sustainability in action” bringen wir eine oft neue Komponente hinein: Was wäre, wenn meine Zukunft hier bei uns in Moldova liegt und nicht in Rom, Berlin oder Moskau? Was wäre, wenn unsere Region bald Vorbild für andere sein kann? Die Voraussetzungen sind da und es kommen in jedem Jahr etwa 30 Absolventen des Programms hinzu, die Multiplikatoren für Moldotopia werden. Wir sind im Jahr 2014 und die Kraft der Vision und die Energie junger Menschen kann uns schnell dem Moldtopia 2040 näher bringen. Vorfreude auf die Zukunft und eine Gemeinschaft, in der verrückte Ideen geäußert und verstanden werden – daran arbeiten wir. Noch hört man aus Moldova eher vom Transnistrienkonflikt oder vom “ärmsten Land Europas”. Seid gespannt, wenn Ihr in 20 Jahren Nachrichten aus Moldova hört…

Global 3000 – Das Globalisierungsmagazin ab Minute 17:07 über Moldova und den Anbau von Bio-Produkten und die Zukunft der Landwirtschaft. 

Support: Eco-House as Traningspace in Moldova
Become part of building an ecological training space in Moldova to promote education. The moldovian NGO asks you kindly to support and help them to build an Eco-training center in Eco-Village Moldova. In the future this will be the home for activEco, one cooperationprogramme of the Theodor-Heuss-Kolleg. “We are collecting funds on betterplace. We’d be very grateful if you could share this link in your networks or even participate in the fundraising campaign yourself. Any small donation or share will be greately appreciated!”
Share and donate here betterplace.org/training-space-in-the-eco-house.

What has been achieved so far?
In just over a year we managed to build a 3-room straw-bale workshop, start an eco-club at the local school, plant over 300 walnut trees and engage over 200 volunteers from Moldova and abroad. Multiple activEco networking meetings and alumni actions already took place at the Eco-village Moldova site as well.
What we need your support for?
This year we need just a little more help to finish the 3-room straw-bale “workshops” building and to equip it with basic amenitiesto be used for seminars and technical trainings for up to 25 people.
Support and read more on betterplace.org.

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One thought on “Moldotopia – ein Hoffnungsschimmer am Rande der EU?|Moldova

  1. Thanks for spreading our vision, MitOst. What would be your vision for your region?

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