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Tbilisi – Zwischen zwei Welten

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Vom 5. bis zum 9. Oktober 2016 ist das Internationale MitOst-Festival zu Gast in Georgiens Hauptstadt Tbilisi. In diesem Jahr wird die Vielfalt gefeiert – in unserem MitOst-Netzwerk, in Europa, in Tbilisi. Erste Eindrücke aus der georgischen Hauptstadt.
David Mirvelashvili (3)

Ein Artikel von Margalita Japaridze (Festivalteam), zuerst erschienen in MitOst Magazin #28
Fotos: David Mirvelashvili, Aki Green

Am Flughafen gelandet, öffnet sich die Schiebetür und ich finde mich in einer Gruppe von Taxifahrern wieder. Wie Schlangenbeschwörer reden sie auf mich ein, in verschiedenen Sprachen bieten sie mir eine Fahrt in die Stadt an. Und da ich keinen Flughafenbus oder andere öffentliche Transportmittel entdecken kann, finde ich mich schwuppdiwupp in einem der Taxen auf der Rückbank wieder.

Der Taxifahrer tritt aufs Gaspedal, er dreht die Musik laut auf und zündet sich eine Zigarette an. Er beginnt zu erzählen. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich ihn nicht verstehen kann, dass ich seine Sprache nicht spreche. Er überhört das und plaudert nun munter auf Russisch weiter. Er erzählt enthusiastisch aus seinem Leben, von den zwei Diplomen, die zu Hause in seinem Wohnzimmer hängen, davon, dass er einmal ein erfolgreicher Ingenieur war, damals. Aber das Leben spielte ihm übel mit. Nun ist er Taxifahrer. Seine Stimme schwankt und die Emotionen überkommen ihn, er wedelt mit seinen Händen in der Luft und vergisst dabei, das Lenkrad festzuhalten. So schnell er fährt, so schnell kommt er auch von seinen eigenen Geschichten zum gesellschaftlichen und politischen Leben in Georgien. Schließlich aber erreichen wir unser Ziel, und ich komme sicher an meinem Hotel an.

In Tbilisi herrscht meist gutes Wetter und die Sonne scheint. Vom Mtatsminda Park, am rechten Ufer der Kura auf einem Hügel gelegen, kann man die ganze Stadt überblicken. Ganz früh am Morgen hat man von hier einen beeindruckenden Ausblick. Zwischen den Dächern der Stadt ragen die Türme von Kirchen, Kathedralen, Synagogen und Moscheen heraus, daneben finden sich Neubauten mit futuristischen Formen und von beeindruckendem Ausmaß. Kubusförmige Gebäude aus Glas stehen im Kontrast zu den traditionellen alten Holzhäusern. Und ebenso könnten die Bewohner der Stadt nicht unterschiedlicher sein in ihrem Auftreten, ihrem Lebensstil, ihren Werten und ihrem Glauben. In Tbilisi habe ich das Gefühl, als stünde ich vor einem unsichtbaren Tor, das von einer Welt in eine andere führt. Hier treffen Ost und West aufeinander, genauer gesagt, hier verschmelzen sie miteinander.

David Mirvelashvili (1)

Was sagen Besucher über Georgien und seine Hauptstadt? In einem Hostel treffe ich Christian, einen 54-jährigen reisenden Schriftsteller. Er erzählt mir: „Für viele Menschen, die viel unterwegs sind und reisen, verlieren die Dinge an Besonderheit. Alles ähnelt sich dann doch irgendwie, die Architektur zum Beispiel oder auch Museen. Was ein Land wirklich besonders macht, sind doch die Menschen. Sie sind einzigartig. Hier in Georgien habe ich mich sehr willkommen gefühlt. Die Menschen waren unglaublich nett.“ Viele Georgienbesucher sagen, wer einmal nach Georgien reist, kehrt immer wieder zurück. Manche kommen sooft wieder, dass sie sogar mit demselben Taxifahrer den Flughafen in Richtung Stadt verlassen.

Später sitze ich zusammen mit dem Festivalteam um Tako, Teo, Miro und Margo in einem Café und blicke auf den Mtatsminda Park. Bei einem Ladigze-Wasser diskutieren wir die Ideen für das Festival und die damit verbundenen Fragen. Alle wollen, dass das Festival eine bedeutende Veranstaltung für die Stadt wird, eine Stadt mit 4,5 Millionen Einwohnern. Natürlich finden hier ständig Kulturveranstaltungen statt und zu jeder Tageszeit soziale und politische Aktivitäten. Es wird also gar nicht so einfach, das MitOst-Festival im bunten Stadtgeschehen hervorzuheben. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, die Stadt neu zu entdecken, und sie den Gästen zugänglich zu machen. Wir wollen neue Leute in diese Stadt bringen. Wir wollen neue Erfahrungen und neues Wissen nach Tbilisi tragen.

Das Festivalteam ist sehr divers: Alle arbeiten in unterschiedlichen Bereichen und bringen sehr verschiedene Interessen ein. Trotzdem bringt sie eine Sache zusammen: Gemeinsam wollen sie das MitOst-Festival in Georgien, in Tbilisi, organisieren. Sie wollen gemeinsam mit allen Gästen des Festivals die Vielfalt der Stadt feiern.

Und während wir vor Ort mit den Festivalplanungen beginnen, ist es für euch auch an der Zeit, eure Reise nach Georgien zu planen! Mindestens einmal solltet ihr hier ein Lagidze-Wasser trinken und die tolle Aussicht vom Mtatsminda Park genießen.

Aki Green (2)

Das Festivalteam stellt seine Lieblingsorte vor

Tako Dzagania Baramidze: „Ein sehr inspirierender Ort ist der Flohmarkt Navtlukhi Basar. Er befindet sich etwas außerhalb, in einem Vorort von Tbilisi, nahe der U-Bahn-Station Samgori. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, Dinge aus der Vergangenheit und aus meiner Kindheit existieren hier immer noch und suchen nach einer neuen Bestimmung. Der Flohmarkt öffnet eine Parallelwelt. Ich empfehle eine Reise an diesen magischen Ort voller Second-Hand-Schätze und verlorener Dinge. Hier kann man die Seele des alten Tbilisi spüren.“

Margalita Japaridze: „Wenn es im Sommer richtig heiß ist und das Herz Tbilisi von der Sonne verbrannt wird, finde ich inneren Frieden auf Mtatsminda. Ich nehme die Route vom Rustaveli Boulevard hoch zur Chitatdze Straße und dann den Wanderweg immer bergauf zum Mtatsminda Plateau. In der Mitte des Plateaus liegt das Mtatsminda Pantheon, hier liegen Georgiens berühmte Schriftsteller, Schauspieler und Personen des öffentlichen Lebens begraben. Neben der Kathedrale und dem Friedhof kann man sich eine Auszeit nehmen und bei einer sanften Brise den Ausblick über die Stadt genießen. Wandert man weiter bis zur Spitze des Plateaus, kommt man zum Mtatsminda Park, dem höchsten Park in Tbilisi. Dort findet man Fahrgeschäfte, Cafés und Restaurants neben Parkwiesen, wo ich mich gerne hinsetze und lese. Wandert man gerne, sollte man auf der anderen Seite des Berges wieder hinunterlaufen bis zum Schildkrötensee. Man kann aber auch mit der Standseilbahn nach unten gelangen. Diese magische Tram pendelt seit 1905 zwischen der Stadt und dem Park.“

Teona Dalakishvili: „Ich habe mein ganzes Leben in Tbilisi verbracht und ich habe mich schwer damit getan, meine Stadt zu mögen. Erst als ich Tbilisi für eine längere Zeit verließ, kam die Sehnsucht. Ich fing an, meine Straßen zu vermissen, die kleinen Cafés und Bierlokale. In einer Großstadt wie Tbilisi muss man sich verabreden, zum Mittagsessen oder am Abend auf ein Getränk, sonst fühlt man sich schnell allein. So finden sich schnell Lieblingsorte, die man immer wieder besucht. Und nach und nach trifft man dort auch auf bekannte Gesichter und Lieblingsmenschen ohne eine Verabredung, die bereit sind, mit dir über Gott und die Welt zu reden. Man merkt erst, wie wichtig diese Orte sind, wenn man sie in einer anderen Stadt nicht mehr hat.“

Miro Mamulashvili (Teil des Festivalteams bis August 2016): „Ich lebe seit fast zwei Jahrzehnten in Tbilisi und kennen jeden Winkel der Stadt. Mein Lieblingsort ist das Restaurant „Fasanauri“. Es liegt im Stadtzentrum und dort bekommt man traditionelle georgische Gerichte serviert. Im „Fasanauri“ gibt es die leckersten „Khinkali“ (georgische gefüllte Teigtaschen) der ganzen Stadt. Wenn ich mich mit Freunden verabrede, dann treffen wir uns meist dort, denn man kann für wenig Geld eine entspannte Zeit verbringen.“

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