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„Katalysator für lokale Akteure“ – der MitOst-Festival-Effekt in der Ukraine

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Interview mit Alona Karavai, von Darius Polok

MitOst ist in Ivano-Frankivsk – der Gastgeberstadt des MitOst-Festivals 2015 – weiterhin engagiert und entwickelt als Partner von
Teple Misto einen „trans-sektoralen Lernort“ auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik “Promprylad”. Anfang März 2017 besuchten im Rahmen einer Kooperation des Bosch Alumni Networks Kolleginnen und Kollegen aus Athen, Lissabon und London das Projekt und unterstützten Alona Karavai (MitOst) und Yuriy Fylyuk (Teple Misto) bei einer Diagnose der Örtlichkeit als zukünftiges nachhaltiges „Ökosystem“.

Darius Polok, Koordinator des Bosch Alumni Networks, kam bei dieser Gelegenheit mit Alona Karavai über die Wirkung des MitOst-Festivals vor zwei Jahren ins Gespräch.

Organisationsteam des MitOst-Festivals 2015 in Ivano-Frankivsk

Was hat das Festival in Ivano-Frankivsk bewirkt oder auch angestoßen?
Zunächst einmal möchte ich betonen, dass es bereits das zweite Festival in der Ukraine war (das erste fand 2008 in Ushgorod statt). Das Organisationsteam hatte deswegen eine sehr gute Vorstellung davon, welche Herausforderung das Festival für das lokale Team bedeutet und eine sehr klare Idee, wie es für die Weiterentwicklung unserer lokalen Agenda genutzt werden kann. Apropos, Ivanna Chupak (geborene Pekar) war die lokale Koordinatorin der beiden MitOst-Festivals in der Ukraine, was nicht nur für einen natürlichen Transfer der Erfahrungen, sondern auch für die Vertiefung des Konzepts des zweiten Festivals in Ivano-Frankivsk sorgte. Es fiel also leichter, Partner mitzunehmen, da sie MitOst und das Festival in Ushgorod bereits kannten. So konnten wir in gewisser Weise einen Schritt weitergehen und die Wirkung vertiefen.

MitOst war also vor dem Festival in der Ukraine bereits bekannt?

Ja. Die Partner hatten bereits vor dem Festival eine hohe Meinung von MitOst und meistens mussten wir auch nichts weiter erläutern. Es gab Partner, die überrascht waren, als sie erfuhren, dass MitOst kein eigenes Büro in der Ukraine hat. MitOst war und ist sehr präsent. Einige dieser Partner wurden dann nach dem Festival institutionelle Mitglieder bei MitOst.

Wie sehen diese Partner MitOst?
Für ukrainische NGOs wie zum Beispiel die Garage Gang ist MitOst vor allem ein europaweites Netzwerk zivilgesellschaftlicher Akteure, das den Austausch von Wissen und grenzüberschreitende Begegnungen ermöglicht.

Welche Spuren hat das Festival in Ivano-Frankivsk hinterlassen?

Das Festival wirkte wie ein Katalysator für die lokalen Akteure. Es gibt heute eine viel engere und sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den lokalen NGOs. Es gibt Follow-up-Projekte, zum Beispiel mit der IDP-Community (die Geflüchteten aus dem Osten der Ukraine werden „internally displaced persons“ genannt), die bis heute sehr stark in den MitOst-Projekten in der Ukraine eingebunden sind. Die „Khata-Maysternya“ wird von MitOst-Mitgliedern genutzt, so zuletzt von einer Gruppe über Sylvester. Durch das Festival sind auch neue Partnerschaften entstanden, zum Beispiel zwischen dem „public restaurant“ Urban Space 100 (einem der zentralen Orte des Festivals), der NGO Teple Misto und der NGO Insha Osvita, die nun gemeinsam Urban Space 500 in Kyiv realisieren.

Beide Organisationen sind zusammen mit MitOst auch Partner bei dem ehrgeizigen Plan, auf dem Gelände der Promprylad-Fabrik einen innovativen Lernort zu entwickeln. Und Promprylad wäre in dieser Form ohne das Festival wohl nicht initiiert worden. Das Festival hat als Intervention von außen die Voraussetzungen für dieses Projekt in Ivano-Frankivsk geschaffen sowie die wertvolle Basis für das Vertrauen zwischen den Partnerorganisationen erzeugt, die das Projekt seit zehn Monaten in einer einzigartigen Koalition auf die Beine stellen. MitOst ist eine Art „Joker“, der als ein neutraler Player von außen die trans-sektorale Zusammenarbeit vor Ort unterstützt und manchmal sogar erst ermöglicht.

Alona ist vor Kurzem von Berlin nach Ivano-Frankivsk gezogen, wo sie für MitOst an der Entstehung des Lernorts “Promprylad” mitwirkt.

Welche Tipps würdest du den künftigen Festivalorten geben?
Um die lokale Szene einzubinden und bei der Planung des Festivals „mitzunehmen“, ist sehr viel Vorab-Kommunikation nötig. Mehrmals gab es die Situation, dass erst nach dem Festival die lokalen Akteure verstanden haben, dass und wie sie das MitOst-Festival für ihre Anliegen und Entwicklungen nutzen können. Hilfreich wäre auch eine klare Kommunikation der Veranstaltungen, die sich ausschließlich an die Mitglieder richten und jener, die offen sind für die Aktivisten und Bürger der gastgebenden Stadt. Ich fände es auch großartig, wenn MitOst ein halbes Jahr nach dem Festival alle Partner zu einem Austausch einladen würde. Das Festival hat sich zu einem Instrument entwickelt, mit dem lokale Entwicklungen beschleunigt werden. Manchmal denke ich, dass sich MitOst dieser Rolle noch nicht bewusst ist.

Und wie hat sich deine Haltung seit dem Festival verändert?
Ich verstehe mich heute noch sehr viel stärker als Netzwerkerin und sehe meine Rolle darin, Akteure in Ivano-Frankivsk, in der Ukraine und auch darüber hinaus zusammenzubringen. Dabei hilft mir die Sonderposition von MitOst als ein neutraler zivilgesellschaftlicher Akteur, der gleichzeitig im Land und von außen ist, sowie unsere Expertise, coole Orte für einen geschützten und nachhaltigen Austausch zu schaffen.

Und welche Frage beschäftigt dich?
MitOst vermittelt mit dem Festival und auch mit den Projekten und Programmen eine ansteckende Energie. Ich stelle mir die Frage, wie wir all das, was hier in Ivano-Frankivsk, aber sicher auch an anderen Festivalorten wie in Tbilisi oder in Novi Sad mit und dank der MitOst-Mitglieder passiert, zurück in den Verein tragen können. MitOst verändert sich: Es ist immer noch ein Netzwerk von hoch motivierten Einzelpersonen. Aber zunehmend werden auch Organisationen Mitglieder von MitOst, die oft auch auf Augenhöhe mit MitOst agieren und sehr viel Expertise mitbringen. Wie können wir die Impulse dieser Organisationen nutzen und dabei den besonderen Charme von MitOst bewahren?

Vielen Dank und alles Gute!

Das Interview mit Alona führte Darius am 3. März in Ivano-Frankivsk.

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