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A MitOst Blog


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Berlin mayor Michael Müller meets social entrepreneurs in Moscow

Event summary by Peter Correll
Photos: Yuriy Fokin

During his first three-day visit to Moscow in mid-March, the governing mayor of Berlin, Michael Müller, wanted to refresh municipal ties with the twin city Moscow, but also explicitly wished to get in touch with civil society. On request of his office, MitOst and Impact Hub Moscow organised a Round Table with social start-up’s to which social entrepreneurs, politicians, independent experts as well as representatives of foundations and cooperations found their way. 

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Urban Change Talk: “Bologna – a Laboratory for Urban Commons?”

In Bologna, a commons-friendly public administration is trying to do things differently and encourages the participatory and sustainable shaping of city spaces. How to include different sectors of society in joint projects and how to overcome obstacles in the process – these were some of the questions open for discussion during the “Urban Change Talk: Bologna – a Laboratory for Urban Commons?” which took place in January 2017 at Tazcafé Berlin.*

An event summary by Dr. Martin Schwegmann (MitOst /Actors of Urban Change)
Photos by Marcus Müller-Witte
16486959_1324755804252038_3672950169587482855_oGuests:
Prof. Christian Iaione (LabGov – LABoratorio per la GOVernance dei beni comuni, Rome)
Giovanni Ginocchini (Director of the URBAN CENTER BOLOGNA)
Marco Clausen (Prinzessinnengarten/Nachbarschaftsakademie, Berlin)
Dr. Mary Dellenbaugh (Urban Research Group “Urban Commons,” Humboldt Universität Berlin) Continue reading


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Krieg:Spielen in der Ukraine – ein Fotoessay

Den Krieg spielen, spielerisch bekriegen, kriegerisches Spielzeug, bespieltes Kriegszeug.
Artikel und Fotos von Karsten Michael Drohsel

Ich bin in der glücklichen Situation, öfters in der Ukraine zu sein. Bei diesen Reisen und Arbeitsaufenthalten ist mir aufgefallen, dass es in ukrainischen Läden überproportional viel Kriegsspielzeug gibt und dass die Panzer und Waffen im öffentlichen Raum von Kindern gerne bespielt werden – meist animiert von den Eltern, die dann stolz Fotos machen.
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Frisch gestrichen! | Mazedonien

Die mazedonische Hauptstadt erfindet ihren öffentlichen Raum neu.

Ein Artikel von Aleksandra Luczak.

„Hierzulande wird sich nie was ändern“ – diesen Satz hört man immer wieder von jungen Skopjanern, während ihr Blick über das neue Stadtzentrum streift. In politischer Regie der Regierungspartei sind hier in den letzten fünf Jahren zahlreiche Denkmäler nationaler Helden aus dem Boden geschossen. Neue beleuchtete Brunnen blinken bunt, umrahmt von frisch historisierten „barocken“ Fassaden. Für den kurzen Zeitraum ausgelegt, sollte das Bauprojekt „Skopje 2014“ der Stadt am Vardar europäischen Charakter verleihen – so der politische Wunsch. „Die Opposition dreht genauso krumme Dinge wie die Regierung, eine dritte Alternative gibt es nicht“, kursiert es von Mund zu Mund wie eine apolitische Losung. Im öffentlichen Raum geht aber Einiges mehr vor sich.

Um die Mittagszeit ist der Lunapark in Skopje wie leer gefegt. Selten stört eine Regung der alten Karussells und Go Karts die heiße trockene Augustluft. Die Mitarbeiter setzen sich gerne zusammen vor die Kassenhäuschen und lassen sich Zeit beim Rauchen. Von den bunt beklebten Wänden schicken Disney-Figuren, die in den späten 1990er ihren Hype erlebten, vereinzelten Passanten ausgebleichte Lächeln: Ab und zu verirrt sich hier ein Rentner samt gelangweiltem Enkelkind oder ein hungriger Jugendlicher auf der Suche nach einem Imbiss. Die Bude am Eingang, wo man kalte Getränke und längliches gefülltes Gebäck – Piroschki – kaufen kann, ist der einzige Ort im umliegenden Stadtpark, der nicht zu hat.

Aleksandar hilft dort in der Sommerzeit seiner Schwester aus. „Auch zu den Spitzenzeiten kommen nicht mehr so viele Leute wie früher“, meint der geborene Skopjaner und promovierte Politikwissenschaftler, „die Menschen brauchen etwas Neues“. Die neueste Entwicklung des Landes und der Hauptstadt sieht er positiv. „Das ist frisch, kurbelt die Wirtschaft an und das Land behauptet sich endlich gegenüber den Griechen und Bulgaren.“ Das Recht der Mazedonier auf nationale Symbole sei dadurch bekräftigt. Trotzdem schwärmt Aleksandar vom Ausland. „Immer mehr Mazedonier beantragen heute einen bulgarischen Pass, um in die EU ausreisen zu dürfen“, gibt er zu.

Ohne Maß
Der Springbrunnen auf dem zentralen Platz Ploštad Makedonija wurde gerade eben zur Nutzung übergeben. Für Kinder wie für Erwachsene ist er derzeit der wohl prominenteste Ort für Selfies. Schillernde Wasserstrahlen spritzen synchron aus dem mit zarten Marmorstäbchen ausgelegten Bürgersteig. Wer diesem Tanz nicht gebannt zuschaut, sondern den Kopf hochhebt, hat die gewaltige Silhouette von Alexander dem Großen vor sich. Der wuchtige Sockel wird von unnahbaren Kriegerfiguren gesäumt – wer zu nahe kommt, gerät in den farbenfrohen Sprühnebel des drum herum errichteten Beckens. Kaum dreht man sich um, leuchtet weiß der frische Putz des neuen Triumphbogens nebenan. Er erscheint umso kleiner als er zwischen zwei übergroßen sitzenden Schriftstellerstatuen aus Bronze gedrängt wurde.

Junge wie Alte, Touristen wie Einheimische lassen sich gerne zu einem Selfie mit dem Licht- und Wasser-Spiel des Brunnens und des Alexander-Denkmals verleiten.

Der Sockel des Alexander-Denkmals, das das umliegende Gebäudeensemble dominiert.

Der Sockel des Alexander-Denkmals, das das umliegende Gebäudeensemble dominiert.

Der neu errichtete Triumphbogen mit begleitenden Denkmälern. Im Vordergrund die Betontreppe des 1973 gebauten Einkaufszentrums „Gradski trgovski centar“, bisher ohne die „barocke“ Aufmachung.

Der neu errichtete Triumphbogen mit begleitenden Denkmälern. Im Vordergrund die Betontreppe des 1973 gebauten Einkaufszentrums „Gradski trgovski centar“, bisher ohne die „barocke“ Aufmachung.

All das war teuer – vielleicht auch zu teuer. Wenn man die vielen Bedürfnisse des Landes bedenkt, lässt einen die auf über 200 Mio. Euro geschätzte Gesamtsumme staunen – und an der Reinheit der Sache zweifeln. „Ich glaube nicht an die Geschichten über Geldwäsche“, Aleksandar macht sich stark für den konservativen Premierminister Gruevski, der die Veränderungen angestoßen hat. „Andererseits… Ich habe diesen einen Freund, der noch in einer gemieteten Wohnung lebt und sich trotzdem einen teuren Plasmafernseher angeschafft hat. Das verstehe ich nicht. Ich meine: Zuerst eine richtige Wohnung, dann Einrichtung“, pointiert er.

Neue Kleider
Das meinten auch die Bewohner anliegender Wohnhäuser, als sie gegen die Verkleidung der alten Fassaden mit „barocker“ Gipskarton-Montur protestierten. „Zuerst sollen die Gebäude endlich mal saniert werden“, erzählt der 35-jährige Photograph und Cutter Dorijan. Er ist in einem Haus direkt am Platz aufgewachsen und zeigt jetzt ortskundig die Schattenseiten der teuren „Schönheitskur“ auf: Der Anblick der Innenhöfe und Hinterhäuser katapultiert einen in die Bauzeit nach dem Erdbeben von 1963, als die zu 80 Prozent ruinierte sozialistische Hauptstadt mit viel internationalem Aufwand wiederaufgebaut wurde.

Die Bauwerke von damals ließen Skopje zu einer wahren Perle des Brutalismus werden. Doch auch sie werden jetzt einem obligatorischen Lifting unterzogen. In einem Referendum letzten Frühling sprach sich die Mehrheit der Bürger allerdings gegen die Umgestaltung eines benachbarten sozialistischen Einkaufszentrums aus. Diese steht trotzdem bevor – wegen des fehlenden Quorums, wie man sagt. Immerhin bleiben die brutalistischen Studentenwohnheime erhalten: Sie werden gerade von innen renoviert. Die Betonwände überstrich man mancherorts nur zur Hälfte mit Farbe. „Halb gestrichen und das Geld halb in die Tasche gesteckt. Typisch mazedonische Arbeit“, meint kopfschüttelnd die ältere Hausmeisterin.

Noch vor dem Referendum setzten sich Skopjaner letzten Winter für das umzugestaltende Einkaufszentrum, indem sie trotz niedriger Temperaturen eine Menschenkette bildeten.

Bald können Studenten ihre renovierten Zimmer in den alten brutalistischen Wohnheimen wieder beziehen.

Seit dem Umbau macht Dorijan – das einstige „Downtown-Kid“ – lieber einen Bogen um den Platz. Grünflächen, die noch vor einigen Jahren feste Treffpunkte für ihn und seinen Freundeskreis waren, gibt es heute nicht mehr – prächtige Laubbäume wurden gefällt. Nach wie vor prägen Baustellen die Straßenzüge, die strahlenförmig auf den Platz zulaufen. Hier und da bedecken Planen mit aufgedruckten Skizzen künftiger Fassaden die Baugerüste. Manch ein Gebäude kriegt gerade ein neues Gewand. Oder aber verliert alten Schmuck: Vom Wahrzeichen der Stadt – dem alten, halb zerstörten Bahnhof, der nach dem Erdbeben in ein Museum umgewandelt wurde – ist vor ein paar Jahren eine große Gedenktafel verschwunden. Dass das zerstörte und wiederaufgebaute Skopje gemäß Titos Worten von 1963 als „Symbol der Brüderlichkeit und Solidarität“ zu gelten hatte, liest man heute lediglich auf einer kleinen Tafel am Eingang.

„Skopje erlitt eine unerhörte Katastrophe, aber Skopje wird wiederaufgebaut werden. Mit der Hilfe unserer ganzen Gemeinschaft wird Skopje zu unserem Stolz und zum Symbol der Brüderlichkeit und der Einheit, der Solidarität Jugoslawiens und der ganzen Welt“, besagt die zweite Gedenktafel von rechts. Die einst viel auffälligere Erinnerung an das Erdbeben und an Josip Broz Tito, der diese Worte am 27. Juli 1963 sagte, geht heute eher unter.

„Skopje erlitt eine unerhörte Katastrophe, aber Skopje wird wiederaufgebaut werden. Mit der Hilfe unserer ganzen Gemeinschaft wird Skopje zu unserem Stolz und zum Symbol der Brüderlichkeit und der Einheit, der Solidarität Jugoslawiens und der ganzen Welt“, besagt die zweite Gedenktafel von rechts. Die einst viel auffälligere Erinnerung an das Erdbeben und an Josip Broz Tito, der diese Worte am 27. Juli 1963 sagte, geht heute eher unter.

Säulen und geschwungene Portale sollen künftig prägende Elemente der bisher modernistischen Fassaden werden.

Säulen und geschwungene Portale sollen künftig prägende Elemente der bisher modernistischen Fassaden werden.

Farbe bekennen
Genauso unauffällig sind andere Protagonisten des Wiederaufbaus geworden: So ist der Name des Architekten Adolf Ciborowski nicht mehr auf den Straßenschildern einer großen Magistrale zu finden. Er ist nun Patron einer unauffälligen Gasse im etwas südlicheren Teil der Stadt. Auch diese Gegend verändert sich: Die niedrige Bebauung muss immer öfter Hochhäusern weichen. „Halb Mazedonien wohnt in Skopje“, erklärt Ivana, die man mehrmals die Woche in einer der noch verbliebenen Villen treffen kann. Man spricht von 200.000 Pendlern, die neben 700.000 Bewohnern täglich die Hauptstadt bevölkern. Seit Jahren schon klagen Skopjaner über Gedränge und dicke Luft in der Stadt, die für 350.000 Menschen geplant und mittlerweile dem einstigen Wiederaufbauplan zuwider von der Bergseite stark zugebaut wurde.

Die studierte Biochemikerin arbeitet am Empfang in einem Hostel. Es sei schwierig, ohne Parteibuch eine passende Arbeitsstelle zu finden, meint sie. Zusammen mit ihrem Freund Katz setzt sich Ivana für die oft übersehenen Umweltbelange der Stadt ein – Katz ist Vorsitzender bei der NGO Proaktiva. „Es gibt immer mehr Fahrradfahrer, aber der Autoverkehr herrscht vor, es fehlt das Bewusstsein dafür“, meint er. Durch langjährige Mühen ist es Proaktiva gelungen, bei der Stadtverwaltung die Entwicklung des Fahrradwegnetzes voranzutreiben: knapp 40 km Fahrradwege zu bauen und weitere 5.000 km² mit Farbe zu markieren. Doch als im Rahmen von „Skopje 2014“ etliche Straßen verbreitert wurden (auch um den Preis der gefällten Bäume), hat man trotz opulenten Budgets keine Gelder für neue Fahrradwege vorgesehen. Seit drei Jahren versuchen Fahrradfahrer durch die monatliche Critical Mass dagegen ein Zeichen zu setzen.

Durch immer wieder aufgesprühte Stencils und Graffiti werden auch Baustellenzäune und Häuserwände zum Medium von zivilgesellschaftlichen und politischen Statements. Den vielerorts auffindbaren Hashtag #protestiram hat man während der massiven Studentenproteste im Mai und Juni dieses Jahres entwickelt. Neuerdings organisierte die kommunistische Organisation Lenka eine Kundgebung gegen die kitschigen Umbaumaßnahmen. Danilo war nicht dabei, doch er wird öfter gefragt, wenn Lenka ein Statement für Medien abgeben soll. Der 27 Jährige Jurist arbeitet in einer privaten Firma in Skopje. Gemessen am durchschnittlichen Monatsgehalt von ca. 300 Euro kann er nicht klagen. „Man muss leben“, sagt er im Ton der Rechtfertigung. Er hat nicht viel Freizeit für sein linkspolitisches Engagement, Zeit für Freundin und Sport muss auch mal sein.

Kaum ein Baustellenzaun ohne den Hashtag #protestiram („ich protestiere“), kaum ein Verkehrsmittel ohne den entsprechenden Aufkleber.

Kaum ein Baustellenzaun ohne den Hashtag #protestiram („ich protestiere“), kaum ein Verkehrsmittel ohne den entsprechenden Aufkleber.

„Gefährlich für Mazedonien“, „Ich verkaufe Mazedonien für eine Hazienda am griechischen Meer“ – die Stencils richten sich sowohl gegen den konservativen Premierminister Gruevski (oben) als auch gegen Zaev, den Anführer der sozialdemokratischen Opposition (unten).

„Gefährlich für Mazedonien“, „Ich verkaufe Mazedonien für eine Hazienda am griechischen Meer“ – die Stencils richten sich sowohl gegen den konservativen Premierminister Gruevski (oben) als auch gegen Zaev, den Anführer der sozialdemokratischen Opposition (unten).

Der Heiligenschein des Stadterneuerers trügt, meint ein Kritiker von „Skopje 2014“: Es ist vielmehr ein Clown mit einer blutiger Axt hinter dem Rücken, der ein Massaker im Stadtraum anrichtet.

Der Heiligenschein des Stadterneuerers trügt, meint ein Kritiker von „Skopje 2014“: Es ist vielmehr ein Clown mit einer blutiger Axt hinter dem Rücken, der ein Massaker im Stadtraum anrichtet.

Jetzt ist keine Spur der Demo zu erkennen. Kinder toben zwischen den regenbogenfarbenen Wasserstrahlen, auf den Bänken nebenan ruhen sich Passanten aus. Plötzlich ertönt laute Musik aus den an den Laternen angebrachten Lautsprechern und wirbelt um das riesige Alexander-Denkmal. Es beginnt ein Streifzug durch die europäische Klassik: Grieg, Chatschaturjan, Monti… „Niemand hier hört solche Musik, man hätte jugoslawisches Turbo Folk senden sollen“, ironisiert Danilo. In der Ecke des Platzes sucht sich eine Rockband gegen die Lautsprecher zu behaupten. Hier und da trifft man Straßenmusiker, die von der Stadt ausgewählt und bezahlt werden. Die miteinander konkurrierenden Lautstärken übertönen das Gespräch.

Das regierungs- und gesellschaftskritische Video zum „Oda na gadosta“ („Ode an die Perversität“) des bekannten mazedonischen Hip-Hop-Musikers DaDzaka Nakot wurde vor der neuen aufstrebenden Kulisse des Stadtzentrums aufgenommen. Aus den Medien war es dann für eine Zeitlang verbannt.

Vom Denkmal Alexanders des Großen her gesehen, bildet das neue Archäologische Museum seit Kurzem eine neoklassizistische Kulisse für den beliebten Spielort der Kinder: den neuen Springbrunnen.

Vom Denkmal Alexanders des Großen her gesehen, bildet das neue Archäologische Museum seit Kurzem eine neoklassizistische Kulisse für den beliebten Spielort der Kinder: den neuen Springbrunnen.

Volle Fahrt voraus
Etwas abseits des Platzes steht ein Karussell. Es ist neu und vom Staat finanziert. „In Italien angefertigt, aus Bulgarien importiert“, erklärt die Kartenverkäuferin in der kurzen Zigarettenpause. Jeden Tag von 9 bis 23 Uhr drehen sich die üblichen bunt bemalten Plastikpferde mit für ewig verwehten Mähnen und irren Blicken mit quietschenden Kindern auf dem Rücken. Die gestreifte Überdachung erinnert an die mazedonische Flagge und sieht wie ein rot-gelber, spieluhrvertonter Kreisel aus. In der verglasten Fassade des ausländischen Telekommunikationsanbieters nebenan spiegelt sich ein neoklassizistisches Bauwerk – das neu errichtete Archäologische Museum am anderen Flussufer. Danilo war dort noch nicht und plant auch keinen Besuch, „aus politischen Gründen“. Doch sollte die regierende Partei nicht mehr an der Macht sein, „oh ja, dann gehe ich so was von hin. Dann werde ich auf dem Platz nackt rumlaufen…!“

Nächtlicher Blick auf das populäre Karussell, vom Archäologischen Museum her gesehen. Das populäre Karussell im Stadtzentrum, vom Archäologischen Museum her gesehen.

Nächtlicher Blick auf das populäre Karussell, vom Archäologischen Museum her gesehen.

Aleksandra Luczak ist Kulturhistorikerin und Dolmetscherin mit ausgeprägtem Interesse an Osteuropa. Ihre Begeisterung für Orte und Räume – seien es Busbahnhöfe, Grenzmärkte oder zwielichtige Expats-Discos – ließ sie bisher in Reportagen für “Cafebabel” und “Europe & Me” einfließen. Den Besuch in Skopje nahm sie zum Anlass, über das Kräfteverhältnis zwischen Macht und Gesellschaft im öffentlichen Raum zu berichten.

Der Artikel wurde für cafebabel.com verfasst und wird dort auch veröffentlicht.


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#ElectricYerevan: A Youth-led Revolution in Armenia

by Grigor Yeritsyan, coordination team of Ecolab

It’s been a long way to understand that change for the better takes place only if we struggle for it. This was a challenging and a difficult journey of young Armenians and it has finally led to the #ElectricYerevan movement.


To begin with, like most of the countries that inherited Soviet legacy, Armenia has built its independence on the ashes of the Soviet Union. One of the key elements of the Soviet thinking has always been the idea that change is implemented from above and that the citizens should do nothing but respect imposed rules and decisions. This thinking has largely influenced the Armenian mentality. Many people remained sceptical about their role as “change-makers” in the society and preferred to hope for a better future without taking action for it.

And this is what #ElectricYerevan and similar youth-led civic movements came to change. The conventional wisdom that changes from below are not possible is no longer relevant in Armenia.

Background of #ElectricYerevan
During the last years there have been several successful civic movements and protests that have shaken Armenia. However, #ElectricYerevan became the largest and strongest civic resistance since Armenia’s independence. Unlike the political and partisan protests that are very common in Armenia’s political life, this non-partisan youth led movement managed to mobilize all the diverse segments of the society for a particular cause.

So, how did everything start? The civic unrest in Yerevan was sparked on June 19th, few days after the nationwide hike of 16.7% in electricity prices was announced. The raise in electricity prices was a request of Armenia’s electricity distribution company “Electric Networks of Armenia” which is owned by Russia’s state-owned energy holding Inter RAO.

The protests started on the Freedom Square, as protest usually do, but continued towards the Presidential Palace which is located on Yerevan’s central Baghramyan avenue. Most of the governmental buildings are located here – the Constitutional Court, the Parliament and the President’s residence. This street symbolizes executive, legislative and judicial branches of power in Armenia, which are equally corrupt. Soon, the riot police closed the way to hinder the protesters from reaching the presidential palace. In turn, the protesters began a sit-in protest right there, blocking one of the city’s main roads.
The information about the protests spread worldwide under the hashtag #electricYerevan after the police used water cannons to violently disperse the protest on June 23rd, arresting more than 230 people (soon almost all of them were to be released). The violence and injustice triggered bigger discontent and brought more and more people to the streets. According to different sources up to 20.000 people – mostly young people – joined the protests.

For 15 days Baghramyan Avenue remained blocked by the protesters … something that would hardly happen in any democratic country. The barricades built by the protesters became a dividing line between responsible citizens symbolizing the will of young Armenians to live in a better country on one side, and the police – a symbol of a corrupt and weak political system on the other side.

Joining the Protest
I came back to Armenia from a working trip on the morning of June 23rd – the very day when the police exercised power against the peaceful protesters. From early morning on I have received several calls and messages from friends and colleagues who either suffered from the violence or have been detained. Since then I have joined the protests and spent two weeks full of unity, consolidation and celebration of success.
As a youth worker and civil society representative I could have only dreamed to see as many different young people united for a common cause … liberals, conservatives and nationalists, partisan and non-partisan youngsters, members of NGOs and students, locals and foreigners, representatives of the business sector and celebrities, young people from cities and rural areas. Many would argue that everyone had different goals for being there, but at the end of the day we were there to protect our right to a better future in Armenia.
For Armenia’s authorities it was not clear where these young people come from. Mostly open-minded, smart, intelligent, balanced, tolerant, educated and creative – an image of young persons that the state never promoted. On the contrary: for decades, the state has sponsored educational, political, social and cultural systems attempting at suppressing the independent thinking of Armenian youth, killing any initiative, innovative thinking and developing stereotypes. They have been always afraid of active citizens and tried hard to form a spirit of indifference towards the societal problems. Eventually, they failed!

During the half a month I have protested together with my friends and likeminded people, I’ve seen a very high degree of empathy and solidarity. It’s not easy to describe the positive atmosphere at the occupied Baghramyan Avenue. People were bringing food, providing each other with water, cleaning the area, taking care of and supporting each other. There was permanently music and dancing going on in order to keep the spirit of unity. The protests were very inclusive and everyone was welcome to join. In a couple of days the Baghramyan Avenue became a good place to meet good people, to talk about politics, to share ideas about the future of Armenia and to make new friends.

What Did We Ask for?
From the very beginning the main demand was to void the decision on the raise of the electricity prices sponsored by the President of Armenia and to introduce reforms to the energy sector. After the illegal violence committed by the police, a new demand was introduced: to impartially investigate the events and punish all those policemen who exercised violence against peaceful protesters. There were many other demands voiced by different participants of the protests, varying from the president’s resignation to stopping corruption, eliminating the criminal oligarchy and injustice in the country. However, the main official requests remained connected to the electricity prices.

The Government Finally Reacts
Very soon the authorities reacted on the massive protests taking place in the heart of the city. The President of Armenia Serzh Sargsyan has unsuccessfully tried to calm down the protesters. He has announced that these protests are very important and that they show the trust that had been developed between the police and the protesters, the level of development of the civil society in Armenia and how important it is to respect the values of democracy.

He offered the Armenian-Russian intergovernmental committee to be in charge of an audit of the Russian electricity supplier. The president also suggested that the government of Armenia takes the burden of this increase on itself by paying the difference from the state budget until the results of the audit are conducted and published. He missed a little nuance – citizens of Armenia form the state budget by paying taxes.

This reaction of the President was not considered as a temporary victory and the invitation to a dialogue with the government was rejected. The president offered to meet six representatives of the protesters, however, the crowd refused to appoint them and asked the president to come himself or to connect live through web streaming. Neither of this happened. The invitation was considered a manipulation aiming to delay the price increase and to stop the protests. Generally, there was still a huge discontent and mistrust towards any announcement coming from the authorities. It was not possible to celebrate any victory as none of the demands were met. At the same time we could not trust any Armenian-Russian intergovernmental committee or any unbiased audit, taking into account the level of corruption both in Armenian and Russian governments.

When it comes to the police, their behaviour has radically changed. After the violent attack on the protesters on the 23rd of June, the police reconsidered its aggression and tried to cooperate with the citizens.
The police was surprisingly calm and peaceful and took the reaction of the public and the international community on the violence against activists into account. They even promised to refund all the broken equipment and lost items of the journalists and to start an investigation regarding the civilian policemen exercising violence. Later on some cases were filed against certain policemen, however, none of them had any serious impact. There is not much hope that any of them will be brought to court in the end.

Who Was Behind the Protests?
It is not a surprise that, from the very start, the media and the international community were looking for forces that might be behind the protests. And indeed there were driving forces behind … the corrupt Armenian government, the non-accountable and intransparent Russian-owned company and local oligarchs have triggered the protests themselves and have driven the people to the streets. They were the forces behind all the mess. Other than that, the civic movement started as and remained a highly non-political and non-partisan one. Political parties were not involved and any efforts to take a lead or benefit from the situation were mostly unsuccessful. There has been no sign of foreign involvement, even though especially the Russian and pro-Russian media were eagerly trying to prove otherwise. The demonstrators have always denied any links either to foreign organizations or to opposition parties in Armenia.

The Russian Factor
The protests in Armenia were never anti-Russian, although it was clear from the beginning that protesters accused the Russian company for mismanagement and money laundering. However, thanks to the Russian media and the Russian propaganda machine, there have been moments when the protests could have been turned into anti-Russian ones. From the very beginning, Russian mainstream media was spreading misinformation about the events – ridiculously suspecting an American involvement.

After failing to find any American or foreign trace, they have been trying hard to make comparisons between the Armenian protests and Ukraine’s EuroMaidan movement. Most of the main Russian media outlets have visited the protests. But after biased and falsified coverage most of them were not allowed to approach the protests anymore. At the same time there was little coverage by the European media, which allowed the Russian propaganda to conquer the world’s media space and discredit the protests.

Additionally it is worth to mention that the poor economic situation in Armenia, the social inequalities, the corruption, the economic dependence, the social injustice and the oligarchic system are mostly associated with Russia and the predecessor Soviet Union. Many news agencies pointed out that this reaction of Russian-media showed that the Kremlin, and particularly Mr. Putin is nervous about losing Armenia from its traditional imperial domain.

The Gender Aspect
There is another interesting aspect of #ElectricYerevan I would like to talk about. Along with male protesters, female protesters have equally struggled day and night. This wouldn’t be an important thing to mention for a country that has equal gender treatment. But in Armenia, where women are underrepresented in almost all the areas of public life, this was a significant step. This was a fight that really involved everyone, regardless of gender, religious or political views. Armenian women and girls have demonstrated courage and strength, redefining their roles as citizens. Some of the dances that have been traditionally performed by men were also performed by women during the celebration of small successes. The same regarding musical instruments. By occupying the main street, this movement literally created a public space, where everyone could express him- or herself, organize something and be treated equally.

What Was Achieved in the End?
There is short-term and long-term impact of the movement. Practically, the government promised to conduct an international audit of the company and start an investigation. The decision on the hike has been suspended for now. On the long term the protests showed that people would no longer tolerate the sense of impunity of their authorities.

The youth-led revolution was not only against the government, corruption and social injustice but also against conventional thinking. It was a mental revolution and a wake-up call to the society that young Armenians take charge of.

More information and updates about #ElectricYerevan you can find at electricyerevan.info.
lizenzbild“#ElectricYerevan: A Youth-led Revolution in Armenia” by Grigor Yeritsyan ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.


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#ElectricYerevan: Die von der Jugend angeführte Revolution in Armenien

Ein Artikel von Grigor Yeritsyan. Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Heike Fahrun.

Es war ein langer Weg, um zu verstehen, dass Veränderungen zum Positiven nur dann stattfinden, wenn wir darum kämpfen. Eine lange, herausfordernde und schwierige Reise für junge Armenier, die schließlich zur Bewegung #ElectricYerevan führte.

Eins vorweg: Armenien hat, wie die meisten Länder mit einem sowjetischen Erbe, seine Unabhängigkeit auf den Trümmern der Sowjetunion gebaut. Ein wesentliches Element sowjetischen Denkens war schon immer, dass Veränderungen von oben angestoßen werden und die Bürger nichts anderes tun sollten, als die von oben verordneten Regeln und Entscheidungen zu respektieren. Dieses Denken hat die armenische Mentalität tiefgreifend geprägt. Viele Menschen blieben skeptisch gegenüber ihrer Rolle als „change makers“ und zogen es vor, auf eine bessere Zukunft zu hoffen, ohne selbst aktiv zu werden.

Genau dies haben #ElectricYerevan und ähnliche, von jungen Menschen selbstorganisierte Bewegungen verändert. Die gängige Meinung, dass Veränderung von unten nicht möglich sei, trifft für Armenien nicht mehr zu.

Zum Hintergrund von #ElectricYerevan
In den letzten Jahren erschütterten etliche erfolgreiche soziale Bewegungen und Proteste Armenien. Allein, #ElectricYerevan wurde zum größten und stärksten zivilen Widerstand seit Armeniens Unabhängigkeit. Anders als die politischen und parteilichen Proteste, die in Armeniens politischem Leben sehr verbreitet sind, schaffte es diese unparteiische Bewegung, die verschiedensten Teile der Gesellschaft für einen konkreten Zweck zu mobilisieren.

Wie fing alles an?
Die zivile Unruhe in Yerevan entzündete sich am 19. Juni, wenige Tage nach der Ankündigung des armenischen Stromversorger “Electric Networks of Armenia” (ENA), die Strompreise landesweit um 16,7% zu erhöhen. ENA befindet sich im Besitz der russichen Staatsholding Inter RAO.

Die Proteste starteten wie üblich am Platz der Freiheit, setzten sich jedoch ganz unüblich in Richtung des Präsidentenpalasts fort, der am zentralen Baghramyan-Boulevard liegt. Hier befinden sich auch die meisten Regierungsgebäude – das Verfassungsgericht, das Parlament sowie der Wohnsitz des Präsidenten. Die Straße ist Symbol der exekutiven, legislativen und judikativen Macht Armeniens, die alle gleichermaßen korrupt sind. Bald versperrte die Polizei den Weg, um die Protestierenden daran zu hindern, den Präsidentenpalast zu erreichen. Im Gegenzug begannen die Protestierenden mit einem Sit-in und blockierten so eine der Hauptverkehrsadern der Stadt.

Die Nachricht über den Protest verbreitete sich weltweit unter dem Hashtag #ElectricYerevan, nachdem die Polizei am 23. Juni Wasserwerfer einsetzte, um den Protest gewaltsam aufzulösen  und dabei mehr als 230 Menschen verhaftete (fast alle wurden später wieder frei gelassen). Dieses brutale und ungerechte Vorgehen führte zu noch größerer Unzufriedenheit und brachte noch mehr Menschen auf die Straße. Unterschiedlichen Quellen zufolge schlossen sich bis zu 20.000 Menschen, meist Jugendliche, den Protesten an.

Der Baghramyan-Boulevard wurde nun 15 Tage lang blockiert … etwas, das in einem demokratischen Land kaum passieren würde. Die Barrikaden, von den Protestierenden errichtet, wurden zur trennenden Linie – zwischen verantwortungsvollen Bürgern auf der einen Seite, Vertreter für den Wunsch junger Armenier, in einem besseren Land zu wohnen; und den Polizisten als Repräsentanten eines schwachen und korrumpierten politischen Systems auf der anderen Seite.

Ich bin dabei!
Nach einer Dienstreise kam ich am Morgen des 23. Juni zurück nach Armenien – genau an dem Tag, an dem die Polizei gegen die friedlich Protestierenden vorging. Seit dem frühen Morgen hatte ich Anrufe und Nachrichten von Freunden und Kollegen erhalten, die entweder direkt unter Polizeigewalt zu leiden hatten oder verhaftet worden waren. Von da an schloss ich mich den Protesten an und verbrachte zwei wunderbare Wochen voller Einheit, gegenseitiger Stärkung und Erfolgsgeschichten.

Als Jugendbetreuer und Vertreter der Zivilgesellschaft war es ein Traum so viele verschiedene junge Menschen zu sehen, vereint für eine gemeinsame Sache … Liberale, Konservative und Nationalisten, Parteianhänger und Unabhängige, NGO-Mitglieder und Studierende, Einheimische und Ausländer, Vertreter der Wirtschaft und Prominente, Stadt- und Landbewohner. Viele werden sagen, dass alle unterschiedliche Gründe für ihr Kommen hatten, aber letzten Endes waren wir alle dort, um unser Recht auf eine bessere Zukunft in Armenien zu verteidigen.

Für die armenischen Behörden war unklar, woher diese jungen Menschen kamen. Meist aufgeschlossene, intelligente, ausgeglichene, tolerante, gut ausgebildete und kreative Jugendliche – ein Bild der Jugend, das der Staat selbst nie gefördert hatte. Im Gegenteil: für Jahrzehnte unterstützte er ein pädagogisches, politisches, soziales und kulturelles System, mit dem Versuch unabhängiges Denken zu unterbinden, jede Eigeninitiative und Innovation im Keim zu ersticken und stattdessen Stereotypen zu entwickeln. Der Staat hatte schon immer Angst vor aktiven Bürgern und gab sich größte Mühe, einen Geist der Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftlichen Problemen aufzubauen. Letzten Endes sind sie damit gescheitert!

Während des halben Monats, den ich zusammen mit Freunden und ähnlich denkenden Menschen protestierte, erlebte ich einen hohen Grad an Mitgefühl und Solidarität. Es ist nicht einfach, die positive Atmosphäre auf dem besetzten Baghramyan-Boulevard zu beschreiben. Menschen brachten Essen, versorgten sich gegenseitig mit Wasser, säuberten die Gegend, kümmerten sich und unterstützen einander. Es gab ständig Musik und man tanzte, um den Geist der Einheit zu erhalten. Die Proteste waren sehr integrativ, jeder war willkommen. In wenigen Tagen wurde der Baghramyan-Boulevard ein guter Ort, um gute Leute zu treffen, über Politik zu sprechen, Ideen zur Zukunft Armeniens auszutauschen und neue Freunde zu finden.

Was wir verlangten?
Ganz zu Anfang bestand die Hauptforderung darin, die vom Präsidenten unterstützte Erhöhung der Strompreise für nichtig zu erklären und Reformen auf dem Energiesektor einzuleiten. Nach dem illegalen gewaltsamen Vorgehen der Polizei kam eine neue Forderung hinzu: die Ereignisse unvoreingenommen zu untersuchen, und diejenigen Polizisten zu bestrafen, die Gewalt gegen friedliche Protestierende ausgeübt hatten. Auch viele andere Forderungen wurden von verschiedenen Seiten des Protests erhoben, vom Rücktritt des Präsidenten bis zum Abstellen der Korruption, der Ausschaltung der kriminellen Oligarchie und Ungerechtigkeit im Land. Dennoch blieben die Elektrizitätspreise die offizielle Hauptforderung.

Die Regierung reagiert endlich
Die Behörden reagierten sehr bald auf die massiven Proteste im Herzen der Stadt. Der armenische Präsident Serzh Sargsyan versuchte vergeblich die Protestierenden zu besänftigen. Er verkündete, diese Proteste seien sehr wichtig und zeigten das Vertrauen, das sich zwischen der Polizei und den Protestierenden aufgebaut habe, sowie den Entwicklungsstand der Zivilgesellschaft in Armenien und wie wichtig es sei, demokratische Werte zu respektieren.

Der Präsident bot dem Armenisch-Russischen Zwischenstaatlichen Ausschuss (ARZA) an, den russischen Stromlieferanten selbst zu prüfen. Er schlug außerdem vor, dass die armenische Regierung die finanzielle Last der Erhöhung selbst übernimmt und die Differenz aus dem Staatshaushalt zahlt, bis die Ergebnisse der Prüfung veröffentlicht würden. Dabei vergaß er ein kleines Detail – dass die armenischen Bürger den Haushalt aus ihren Steuern finanzieren.

Das Angebot des Präsidenten wurde nicht als vorläufiger Sieg verstanden und die Einladung zu einem Dialog mit der Regierung daher zurückgewiesen. Der Präsident bot an, sich mit sechs Vertretern der Protestierenden zu treffen, allerdings weigerte sich die Menge, diese zu bestimmen und forderte den Präsidenten auf, doch selbst zu kommen oder per Live-Stream mit ihnen zu sprechen. Keins von beidem geschah. Sargsyans Einladung wurde vielmehr als Manipulationsversuch gewertet, die Preissteigerung zu verzögern und den Protest zu beenden. Ganz allgemein gab es hohe Unzufriedenheit und Misstrauen gegenüber jeglicher Ankündigung der Behörden. Einen Sieg zu feiern, war unmöglich, schließlich war keine der Forderungen erfüllt. Gleichzeitig konnten wir uns, das Korruptionsniveau der armenischen wie russischen Regierung bedenkend, nicht auf ARZA oder eine unparteiische Prüfung verlassen.

Was die Polizei angeht, so änderte sich ihr Verhalten grundlegend. Nach dem gewalttätigen Übergriff auf die Protestierenden am 23. Juni überdachte die Polizei diese Aggression und versuchte mit den Bürgern zu kooperieren. Die Polizei war erstaunlich ruhig und friedlich und nahm die Reaktion der Öffentlichkeit und der internationalen Gemeinschaft auf die Gewalt gegen Aktivisten ernst. Sie versprachen sogar, Journalisten ihre beschädigte und verlorene Ausrüstung zu ersetzen und gegen gewaltausübende Zivilpolizisten zu ermitteln. Später wurden gewisse Fälle angezeigt, allerdings hatte dies keine gravierenden Auswirkungen. Es gibt nur wenig Hoffnung, dass einer von ihnen tatsächlich vor Gericht gebracht wird.

Wer stand hinter den Protesten?
Es ist nicht überraschend, dass die Medien und die internationale Gemeinschaft von Beginn an nach Kräften suchte, die hinter den Protesten stecken könnten. Und tatsächlich gab es diese treibenden Kräfte … die korrupte armenische Regierung, das unberechenbare und intransparente russische Unternehmen sowie lokale Oligarchen selbst hatten die Proteste ausgelöst und die Menschen auf die Straße getrieben. Sie waren die Kräfte hinter all dem Chaos. Anders die Bürgerbewegung, die höchst unpolitisch und unparteiisch war und blieb. Politische Parteien spielten keine Rolle, und die Versuche, die Situation zu steuern oder von ihr zu profitieren, blieben überwiegend erfolglos. Auch wenn die russischen und pro-russischen Medien eifrig versuchten das Gegenteil zu beweisen, gab es keine Hinweise auf ausländisches Engagement. Die Demonstranten bestritten stets Verbindungen zu ausländischen Organisationen oder zu armenischen Oppositionsparteien.

Der russische Einfluss
Die Proteste in Armenien waren nie anti-russisch, auch wenn von Anfang an klar war, dass die Protestierenden ein russisches Unternehmen des Missmanagements und der Geldwäsche beschuldigten. Jedoch gab es dank der russischen Medien und der russischen Propaganda-Maschine Momente, in denen die Proteste anti-russisch hätten werden können. Von Beginn an verbreiteten russische Massenmedien Falschinformationen über die Ereignisse – absurderweise amerikanisches Engagement vermutend.

Nachdem weder amerikanische noch andere ausländische Spuren zu finden waren, gaben sie sich die größte Mühe, Vergleiche zwischen den armenischen Protesten und dem ukrainischen EuroMaidan zu ziehen. Die meisten wichtigen russischen Medien besuchten die Proteste vor Ort. Aber nach ihrer voreingenommenen und verfälschenden Berichterstattung durften sich die meisten dem Protest nicht mehr nähern. Gleichzeitig gab es nur wenige Berichte europäischer Medien, was es der russischen Propaganda erleichterte, den globalen medialen Raum zu erobern und die Proteste zu diskreditieren.

Zusätzlich ist hervorzuheben, dass die schlechte wirtschaftliche Situation in Armenien, die soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die Korruption, die wirtschaftliche Abhängigkeit und das oligarchische System mit Russland und dessen Vorgängerin Sowjetunion verknüpft werden. Zahlreiche Nachrichtenagenturen betonten, die Reaktion der russischen Medien zeige, wie besorgt der Kreml und besonders Putin seien, mit Armenien einen seiner traditionellen imperialen Herrschaftsbereiche zu verlieren.

Der Gender-Aspekt
Ich würde gern noch über einen anderen interessanten Aspekt von #ElectricYerevan sprechen. Neben den männlichen standen Tag und Nacht auch weibliche Protestierende. In einem Land, wo die Geschlechter gleichgestellt sind, wäre das nicht der Rede wert. Aber in Armenien, wo Frauen in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens unterrepräsentiert sind, war das ein wichtiger Schritt. Dies war ein Kampf, der wirklich alle betraf und einbezog, unabhängig von Geschlecht, religiösen oder politischen Einstellungen. Armenische Frauen und Mädchen zeigten Mut und Stärke, und definierten damit ihre Rolle als Bürgerinnen neu. Einige Tänze, die traditionell Männern vorbehalten sind, wurden ebenso von Frauen getanzt, wenn es kleinere Erfolge zu feiern gab. Genauso war es mit traditionellen Musikinstrumenten. Indem sie die Straße besetzte, schuf diese Bewegung buchstäblich einen öffentlichen Raum, wo jede und jeder sich ausdrücken, etwas gestalten und gleichwertig behandelt werden konnte.

Was wurde am Ende erreicht?
Es gibt kurzfristige und langfristige Auswirkungen der Bewegung. Praktisch versprach die Regierung, eine internationale Prüfung und Untersuchung einzusetzen. Die Entscheidung über die Erhöhung wurde fürs Erste ausgesetzt. Langfristig zeigten die Proteste, dass die Menschen das Gefühl der Straflosigkeit ihrer Behören nicht länger akzeptieren werden.

Diese von der Jugend geführte Revolution war nicht nur gegen die Regierung gerichtet, gegen Korruption und soziale Ungerechtigkeit, sondern auch gegen das herkömmliche Denken. Es handelte sich um eine mentale Revolution, einen Weckruf an die Gesellschaft, dass junge Armenier Verantwortung übernehmen.

lizenzbild“#ElectricYerevan: Die von der Jugend angeführte Revolution in Armenien” – Ein Artikel von Grigor Yeritsyan ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.


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Moldotopia – A Gleam of Hope at the EU’s edge? | Moldova

by Valeria Șvarț-Gröger and Julian Gröger, first published on oya-online.de. Translation into English by Martin Hofmann.

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In his magnificent science fiction novel “Ecotopia” Ernest Callenbach has imagined a society in which resilience and community are a lived reality. Of course in his time and circumstances he chose the North-West of the U.S. as a scene. Where would such a place with such a promising future be located today? Maybe Buthan or Bolivia – but within Europe? Where could one imagine a profound change until the year of 2040? Resilience and inner peace would be just two catchwords. Which country would you count on?

It would rather be a small country, so marvelous changes could quickly be set into practice. This country should have good soil and many people experienced in agriculture. It should not be too industrialized, and less embedded into global substance flow. And of course it should possess enough natural resources in order to sustain its energy. Maybe Austria? But is it possible to realize such a utopia within the EU? And is it not a fact that Austrians use up too many resources in 2014?

We count on Moldova, or Moldtopia as we call our vision. Moldova – the Republic of Moldova, to be exact – is situated between Romania and Ukraine, at the edges of the European Union and has around 3.5 million inhabitants. Its capital is Chișinău (to be pronounced as kee-shee-now). On an area slightly bigger than Belgium the population is a one-fifth of western-Germany. The preconditions for a development towards Moldtopia 2014 are as follows:

Moldova owns very good soil. In former times Moldova had been, together with Georgia, the fruit and vegetable garden of the Soviet Union. Unfortunately due to this fact just 9% of the country’s surface is still covered by forests. Moldovans are dwelling with a much smaller amount of energy and consumption than people in Western Europe. Around 40% are active in agriculture, many of them in a semi-subsistant way. For political reasons the Soviet Union did not initiate large scale industry in Moldova as there were concerns that the country could reunite with Romania. This low level of industrialisation is still considered a disadvantage in 2014, but from our point of view it will soon turn into benefit. In matters of energy the country is still dependent on Russian gas, but the potential for solar and residue-biomass energy is tremendous. Most Moldovans are bilingual (Russian-Romanian) and more and more learn to see it as an advantage rather than as a burden. Romanian and Russian-Soviet culture with all their treasures are deep-seated in the cultures literature, cuisine or language.

But what exactly is Moldotopia and what do we want to achieve on this piece of land until the year of 2040? Moldtopia nourishes its population with ecological and regional cropping. The bicycle is the one means of transportation used most often. Within the cities some trolley coaches are going, for longer distances the railway transportation is electrified and well developed. Small neighborhood communities are living, working, eating and celebrating together in the cities. The majority of the buildings is erected with regional building materials. Moldovans are own a world-wide recognition for wood-straw-clay constructions. 40% of the country’s surface is again covered with forests. 10% are areas saved from human intervention. Agroforestry has become the established form of agriculture. There is no erosion of the soil and water from every source can be drunk. There is a feeling of abundance rather than one of deficit. Children are the most valued aspects of live and the whole community is taking care of them. Those are just some aspects of Moldtopia.

We, the Moldovan NGO EcoVisio, together with young people are working on the invention and realization of the Moldotopia-vision. Young people, of course, mostly have another idea of their country’s future. Political debates often focus on the strategic orientation towards either Russia or the European Union, whereas a form of regional pride is not very common. People have an emotional connection towards Romania or towards Russia on are arguing about this bias. The conflict on Transnistria interferes with the concentration on the own development, too.

Our programme “activeEco – Sustainibility in Action” adds new elements into this situation: What, if my future would take place here in Moldova and not on Rome, Berlin or Moscow? What, if our region could be a model for others? The requirements do exist and each year around 30 alumni of the programme come along, being able to spread the word about Moldotopia. We are in the year of 2014 and the power of the vision along with the energy of young people can lead us faster and faster to Moldotopia 2040. The joy of anticipating the future and a community in which big madcap ideas can be said and will be understood – that is, what we are working on. For the moment you still here rather of the conflict on Transnistria or the “Europe’s poorhouse”. Be curious what kind of news you will hear about Moldova twenty years from now…

Support: Eco-House as Traningspace in Moldova
Become part of building an ecological training space in Moldova to promote education. The moldovian NGO asks you kindly to support and help them to build an Eco-training center in Eco-Village Moldova. In the future this will be the home for activEco, one cooperationprogramme of the Theodor-Heuss-Kolleg. “We are collecting funds on betterplace. We’d be very grateful if you could share this link in your networks or even participate in the fundraising campaign yourself. Any small donation or share will be greately appreciated!”
Share and donate here betterplace.org/training-space-in-the-eco-house.

What has been achieved so far?
In just over a year we managed to build a 3-room straw-bale workshop, start an eco-club at the local school, plant over 300 walnut trees and engage over 200 volunteers from Moldova and abroad. Multiple activEco networking meetings and alumni actions already took place at the Eco-village Moldova site as well.
What we need your support for?
This year we need just a little more help to finish the 3-room straw-bale “workshops” building and to equip it with basic amenitiesto be used for seminars and technical trainings for up to 25 people.
Support and read more on betterplace.org.


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Visiting Ivano-Frankivsk – Crossing the Russian-Ukrainian Border | Ukraine

by Sergei Shalamov, member of the board of MitOst e.V.
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Almost a year ago the board of MitOst made an important decision to hold the 13th International MitOst-Festival in Ivano-Frankivsk in Western Ukraine. The decision, which is both important and difficult, well matched with the political and social realities of the new world we have been living in for a year and a half. For us, it was and still is an invitation to a deliberate, fruitful dialogue based on mutual respect, to reflect and to find solutions for old and new challenges, as well as participate actively in reducing the degree of separation in the society and in returning the situation to a peaceful course.

The board of MitOst is frank to a dialogue about the decision to hold the festival in Ukraine. Safety of participants of the festival is an important criterion when choosing a venue for the festival. Many facilitators and coordinators of cooperation programmes and projects of MitOst regularly travel to Ukraine for seminars and other events. Therefore, we can say with confidence that our routes are fine-tuned. And in order to convince those who are particularly incredulous, I decided to demonstrate with my own example that fears and nervousness, cultivated by media and the Internet, are often groundless, and even men between the age of 25 to 60 can enter the territory of the neighboring state without any problems. Thus, on June 6th I arrived in Ukraine for the first time to see how life in Ivano-Frankivsk is like, how our festival team is doing and imagine what can be expected for the September.

What is special in Ivano-Frankivsk?
It is a city with 350 years of history, one of cultural centers of the country with a rich heritage and great potential. The town isn’t big – about 230 thousand inhabitants – and very cozy. The majestic church stands here side by side with the giant Soviet-built office building and the streets wander between the epochs of the Austro-Hungarian Empire, the Republic of Poland, the Soviet Union and independent Ukraine. But the most important are the people who live in Ivano-Frankivsk. Three days are not enough to get to know the character of a city and it’s inhabitants. But I may say with certainty that the youngsters of Ivano-Frankivsk, who simply joking on controversial topics (“I am a banderovka” = “I am a follower of nationalistic movement”), do not seem amenable to political influence, probably because of being as yet light-minded. The young people remain curious, sociable and active, with a strong motivation to make their country better. And, on the other hand, I was greatly impressed by local entrepreneur and public agents, who are ready to work in a completely new format, gushing with ideas and, for sure, loving their town and developing it. After the so-called “Perm cultural project” in Russia was shut down and cooperation between the government, the society and business in the field of “non-state” culture has been curtailing the development in Ivano-Frankivsk is to me like a breath of fresh air and poignant nostalgia at once (Video about Ivano-Frankisvk).

What is important to know?
Visiting MitOst-Festival is safe. And no matter what your nationality is and what language you speak. Obviously, the south-eastern parts of the country, in which military actions are being conducted, are unwanted to go (check  travel and safety information, here you’ll find the information from the Federal Foreign Office about traveling to Ukriane). But in Ivano-Frankivsk, Lviv, as in much regions of the country, people are living a peaceful life: getting married, reading books, having fun on Saturday nights, working weekdays and so on, and wishing you all the same. During a few days of my stay, I have never felt a negative attitude towards myself as a citizen of the Russian Federation: you’re free to ask people in the streets for directions or order dinner at a restaurant, or go with car sharing to another city, with talking Russian, and they’ll tell you, in fact – start a conversation, and probably won’t even recognize you are a foreigner without a pass check because it is not obvious that you are not by origin from those regions of Ukraine, where people traditionally speak more Russian.

What is the procedure of crossing the border of Ukraine?
Nothing extraordinary, but some special procedure runs for the Russians. You will need a foreign passport, an invitation from the local partner of MitOst indicating the purpose of your visit, booking a return ticket and a hotel reservation, an insurance policy, as well as some money with you in order to prove your ability to pay during your stay. Copies of the invitation and the other papers should be enough, but you’d rather have “hard” copies as well. New is the necessity of holding an interview before you’re allowed to cross the border. In my case, three cute border officers in a separate room asked me to show all the necessary papers, and five minutes later I was easily getting my luggage.

Won’t there any problems appear when crossing the border on the way to Ukraine or returning home?
No. Border Guard Service of the Russian Federation in Vnukovo was barely interested in a direction, or a purpose of my trip. Despite the political difficulties, our countries remain in close contact, and citizens of both countries are constantly crossing the common border.

On behalf of the Board of MitOst I kindly invite you to participate and join the 13th International MitOst-Festival, which will take place from the 23rd until the 27th  of September 2015. Seeing is believing. Welcome!

If you have any questions, want to share your story of travel to Ukraine or leave a comment, you can contact me via shalamov(at)mitost.org


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Visiting Ivano-Frankivsk – Crossing the Russian-Ukrainian Border by Sergei Shalamov (MitOst e.V.) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

The International MitOst Festival is a meeting point for all those who are interested in cultural and civic exchange in Europe and its neighbouring regions. It brings together thinkers and activists, experts and newcomers. A diverse programme with more than 80 events provides space for networking, learning, reflection and inspiration. Since its premier in the Hungarian city Pécs in 2003, the festival has been migrated through Europe and taken place every year in another city. Check out the website mitostfestival.org/en/.
MitOst promotes cultural exchange and active citizenship in Europe and its neighbouring regions. With 1.400 members in 40 different countries as well as with various partners we are part of a dynamic European network. We organise international programmes and projects and serve as a platform for new forms of social engagement and projects. The annual International MitOst Festival brings our network together.


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The Voice of Civil Society in Armenia

by Diana Chobanya, coordination team of EcoLab

We are living in an increasingly globalized world, where walls are crumbling and falling every day. The fall of barriers between nations exposes us to global diversity and variety. We need to embrace this multiculturalism and human variety in order to keep up with the rest of the global community. Globalization and technical advancements have undoubtedly accelerated and improved the way we vote, protest, learn and live. These developments have led to the strengthening of civil society in almost all parts of the world.

In Armenia, the voice of civil society is becoming louder and more confident, thus contributing to democratic governance, transparency and participatory politics. The unrestricted voice of Armenian civil society can now be heard on the streets of Yerevan, in marzes (regions of Armenia) and all over social media platforms. The vestige of Soviet authoritarian and paternalistic political processes is however unfortunately still evident in Armenia. Its consequence is ruthless and shocking social injustice, and persistent violation of human rights and democratic values resulting in social apathy and emigration.
In the current situation, education and empowerment of the young generation is one of the best recipes for bringing about positive change. In order to be active members of the global community, young people need to be well informed about global challenges, respectful of other cultural and religious practices, and have a decent understanding of their role as change-makers in our society.

RA Ministry of Education and Science introduced a reform called “Education Quality and Relevance” to develop the post-Soviet educational system in newly-independent Armenia. The reform responded to outdated educational standards and textbooks, inconsistencies in assessment, and the predominance of teacher-centred teaching methods (Tovmasyan & Thoma, 2008). In 2000, the RA Ministry of Education and Science decided to amend the state curricula for secondary education by adding “human rights, civic education, and state and law”. Starting with 2001 these “legal block” subjects were taught in secondary school for eighth to tenth grades (Gyulbudaghyan, Petrosyan, Tovmasyan & Zohrabyan, 2007, p. 21).

Studies have shown that civic education is no longer an abstract subject that teachers struggle to comprehend. The Ministry of Education and Science has introduced informative and useful textbook and thematic trainings/seminars for teachers. Nonetheless, the subjects they have introduced fail to equip students with civic skills, emphasizing only the knowledge of rights and responsibilities. The Citizen’s Awareness and Participation in Armenia Survey (IFES, 2003) confirms that young adults (18-25 years old) are not only less interested and involved in politics but also have a lower level of civic participation that those aged 26 and above. It can therefore be concluded that there is a gap in the civic education of the young people in Armenia which consequently leads to low social consciousness and awareness and an even lower level of civic activism.

The Ministry has acknowledged the need for high-quality civic instruction which would fill the gap in civic education in the Armenian context. Nevertheless, it has failed to take adequate measures and, as a result, young Armenians lack civic competencies and skills. Fortunately, the civil sector has taken over and started offering civic trainings, courses and seminars which combine civic “knowledge” with its practical application. These educational measures use synergies from formal and non-formal education to deliver breath-taking content. The hallmark of these courses is that they not only enhance the learners’ knowledge about civil society, but also shape learners’ civic competencies and promote active citizenship and democratic values. EcoLab, the active citizenship project that I coordinate is a vivid illustration of how an NGO project can empower and educate young people more efficiently than the school curriculum on civic education. I myself am a “product” of EcoLab, which provided the civic education that the educational system did not.

Overall, I am hopeful that similar projects, which nurture learners’ civic literacy and emphasize such core concepts as democracy, rights and responsibilities, will be offered more widely. Also, I hope that by that time the Ministry of Education will appreciate both independent and autonomous learning and higher civic participation, and include both in its comprehensive list of educational objectives.

EcoLab
Diana Chobanyan is part of the coordination team of EcoLab. EcoLab empowers young Armenians to change their local community by fostering sustainable development. Participants implement their own projects in small teams in their cities and villages. These projects focus on sustainable local economy, non-formal education and community mobilisation. EcoLab is an cooperation program of Theodor-Heuss-Kolleg. More information on theodor-heuss-kolleg.de.

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The Simple Truth | Egypt

by Reem Kassem, Founding Director, Agora Arts & Culture, Egypt

And suddenly everybody is speaking about sexual harassment in Egypt. As if it wasn’t there years and years ago. As if no other horrible incidents happened over the past years. And as if we surprisingly discovered the horrible manners in the society yesterday! People on the media are wondering why and why and why! Funny!

Sexual harassment has been there since years. And due to numerous reasons people weren’t able to discuss it openly. Society refused to admit that there is a manners’ problem not only reflected in the increased number of sexually harassed women, but mostly in the general behavior of the society. And now after issuing a law against sexual harassment, more and more people are admitting it and started the discussion. That is a positive sign, because starting the discussion might mean that the issue will be seriously addressed.

“Any negative trait that arises in a society is a result of its failure to meaningfully communicate, express and engage”

More than one year ago I wrote about the relation between sexual harassment and lack of arts education in schools on my Blog. And stated in my post, that 80% of sexual harassment incidents is due to the lack of meaningful channels for self-expression in the society. I observed the behavior of the little boys in the school next door everyday in the morning before going to work. And made a little research about the social and economic conditions of these kids in comparison to others same age but engaged in social and cultural activities.

Kids from disadvantaged communities find it cool to tease girls on the streets, they find it self-satisfying to harass a girl or even a woman and exercise power in public. This is due to complex reasons, be it a reflection of what they see at home, education, culture, but mainly their failure to meaningfully express themselves. So what they simply do is express it negatively through sexual harassment, violence, gangsters’ activities, escaping from schools etc. All they understand is that they are heroes among their society by doing that.

They grow up having learned that this is the only way accessible for them to express and engage in the society. They haven’t seen any music classes at school to discover the world of cultural institutions and start learning an instrument or go to a concert. They haven’t seen drama or poetry or even attended a painting class. This is the difference between these kids and their fellows who could afford going to private schools; thus meaningfully engage in the society. And this is the difference between men who are upset now that sexual harassment is becoming more and more a habit in the society, and their fellow men who exercise it and who always accuse women for being women.

The simple truth is that sexual harassment and any other negative behavior is not going to disappear or even decrease without teaching the society how to engage and express meaningfully. This means finding alternative ways to communicate rather than negatively behaving. And this is neither gonging to happen without having a sufficient number of cultural engaging activities, and a reasonable number of operating cultural institutions with venues where the society can meet, engage and exchange. Nor is it going to happen when education is lacking the food for mind and soul.

No creativity and innovation … No math and science
No culture and arts … No manners and positive behaviors
That’s the simple truth

Reem Kassem is a performing arts curator and festival manager working at the Bibliotheca Alexandrina Arts Center. She founded Agora for Arts and Culture, an independent arts education institution. Reem is the Head of Performing Arts Programming at the Bibliotheca Alexandrina Arts Center, where she coordinates the monthly program and the performing arts festivals of the Bibliotheca. She established AGORA for Arts and Culture in 2011, an independent organization undertaking the 2020 Development Matrix; a program connecting arts practice and non-formal education with social development. In 2012, she established AGORA International, a new branch based in Marseille.
Visit her Blog: reemkassem.blogspot.de