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Ein Besuch in Ivano-Frankivsk – Vom Überwinden realer und imaginärer Grenzen |Ukraine

ein Artikel von Sergei Shalamov, übersetzt aus dem Russischen von Christina Schmitz
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Vor fast einem Jahr traf der MitOst-Vorstand die wichtige Entscheidung, das 13. Internationale MitOst-Festival in Ivano-Frankivsk im Westen der Ukraine zu veranstalten. Diese zugleich wichtige und schwierige Entscheidung passt dabei gut zu den politischen und sozialen Realitäten der neuen Welt, in der wir seit eineinhalb Jahren leben. Für uns war und ist es noch immer eine Einladung zu einem bewussten und lebhaften Dialog, basierend auf gegenseitigem Respekt und mit dem Ziel, zu reflektieren und Lösungen für alte und neue Herausforderungen zu finden. Wir wollen somit auch aktiv einen Beitrag zur Reduzierung der gesellschaftlichen Spaltung und hin zu einer friedlichen Lösung leisten.

Der MitOst-Vorstand ist offen für einen Dialog über die Entscheidung, das Festival in der Ukraine zu veranstalten. Die Sicherheit der Teilnehmer und des gesamten Festivals ist ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Festival-Stadt. Viele Leiter und Koordinatoren unserer Kooperationsprogramme und von MitOst-Projekten reisen regelmäßig für Seminare und andere Veranstaltungen in die Ukraine. Deshalb können wir mit Gewissheit sagen, dass unsere Wege in der Ukraine gut abgestimmt sein werden. Und um auch die besonders Skeptischen zu überzeugen, habe ich mich dazu entschlossen, an meinem eigenen Beispiel zu zeigen, dass Ängste und Nervosität, geschürt durch Medien und Internet, oftmals unbegründet sind. Sogar russische Männer im Alter zwischen 25 und 60 Jahren können ohne Probleme das Gebiet des Nachbarlandes betreten. Deshalb reiste ich am 6. Juni zum ersten Mal in die Ukraine, um zu sehen, wie das Leben in Ivano-Frankivsk ist, wie es unserem Festival-Team geht und was uns im September erwarten wird.

Was ist das Besondere an Ivano-Frankivsk?
Es ist eine Stadt mit einer 350jährigen Geschichte, eines der Kulturzentren des Landes mit einem reichen historischen Erbe und großem Potential. Die Stadt selber ist nicht besonders groß – sie hat etwa 230 Tausend Einwohner – und sehr gemütlich. Die majestätische Kirche steht Seite an Seite neben einem gigantischen Bürogebäude aus der Sowjet-Zeit und die Straßen sind geprägt von den Epochen des österreichisch-ungarischen Imperiums, der polnischen Republik, der Sowjet Union und der unabhängigen Ukraine. Aber am wichtigsten sind die Menschen, die in Ivano-Frankivsk leben. Drei Tage sind nicht genug, um den Charakter einer Stadt und ihrer Einwohner kennen zu lernen. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Jugendlichen von Ivano-Frankivsk, die über die kontroverse Situation im Land einfach Witze machen („Ich bin ein banderovka“ = „Ich bin ein Anhänger der Nationalbewegung“), nicht anfällig für politischen Einfluss zu sein scheinen, vielleicht sind sie dafür zu vernünftig. Die jungen Menschen sind weiterhin neugierig, kontaktfreudig und aktiv und haben eine starke Motivation, ihr Land zu verbessern. Ich war stark beeindruckt von den lokalen Unternehmern und öffentlichen Akteuren, die voller Ideen dazu bereit sind in völlig neuen Formaten zu arbeiten, um ihre Stadt, die sie mit Sicherheit lieben, weiter zu entwickeln. Nach dem das so genannte „Permer Kultur-Projekt“ in Russland geschlossen wurde und Kooperationen mit der Regierung, der Gesellschaft und Unternehmern im nicht-staatlichen Bereich der Kultur begrenz wurden, erscheint mir diese Entwicklung in Ivano-Frankivsk wie ein Atemzug frischer Luft und schmerzlicher Nostalgie zugleich (Video über Ivano-Frankivsk).

Was muss man wissen?
Der Besuch des MitOst-Festivals ist sicher, egal welche Nationalität ihr habt oder welche Sprache ihr sprecht. Klar ist, dass die süd-östlichen Gebiete der Ukraine, in denen zur Zeit militärische Auseinandersetzungen statt finden, nicht bereist werden sollten (siehe Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes). Aber in Ivano-Frankivsk und Lviv, genauso wie in vielen anderen Regionen des Landes, leben die Menschen weiterhin ein friedliches Leben. Sie heiraten, lesen Bücher, gehen samstags abends aus, arbeiten unter der Woche etc. und wünschen jedem Gast genau das gleiche. Während meines Aufenthalts habe ich niemals eine negative Haltung mir gegenüber als einem russischen Staatsbürger bemerkt. Man kann problemlos auf Russisch Menschen in den Straßen nach dem Weg fragen, Essen im Restaurant bestellen oder per Anhalter in eine andere Stadt fahren – überhaupt, die Menschen fangen gleich eine Konversation an und merken ohne Passkontrolle vermutlich gar nicht unbedingt, dass man ein Ausländer ist und nicht aus einer der Regionen kommt, in denen die Menschen traditionell mehr Russisch als Ukrainisch sprechen.

Wie verläuft der Grenzübergang?
Im Prinzip gibt es nichts Besonders, nur für Russen gelten einige andere Regeln. Man braucht einen Reisepass, eine Einladung des lokalen Partners von MitOst, aus der der Grund der Reise hervor geht, ein Rückfahrticket und eine Hotelreservierung, eine Krankenversicherung und etwas Bargeld, um die Zahlungsfähigkeit während des Aufenthalts nachzuweisen. Normalerweise müssten Kopien der Dokumente ausreichen, aber sicherheitshalber sollte man lieber die originalen Druckversionen mitführen. Neu ist, dass man ein Interview führen muss, bevor man die Grenze überqueren darf. In meinem Fall haben mich drei nette Grenzbeamte in einem separaten Raum gebeten, alle notwendigen Papiere zu zeigen und fünf Minuten später bekam ich problemlos mein Gepäck.

Wird es keine Probleme geben, wenn man die Grenze auf dem Weg in die Ukraine oder zurück überquert?
Nein. Der Grenzschutz Service der Russischen Föderation in Vnukovo war weder an der Richtung noch am Grund meiner Reise interessiert. Trotz der politischen Schwierigkeiten bleiben unsere Länder in einem engen Kontakt und Staatsbürger beider Länder überqueren weiterhin regelmäßig die Grenze.

Im Namen des MitOst-Vorstands lade ich euch herzlich dazu ein, am 13. Internationalen MitOst-Festival teilzunehmen, das vom 23. bis zum 27. September 2015 statt finden wird. Sehen ist Glauben. Willkommen!
Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, eure Geschichte von einer Reise in die Ukraine teilen wollt oder einen Kommentar hinterlassen möchtet, kontaktiert mich via shalamov(at)mitost.org.
In der Flickr-Galerie findet ihr viele Bilder von Ivano-Frankivsk.

lizenzbildEin Besuch in Ivano-Frankivsk – Vom Überwinden realer und imaginärer Grenzen von Sergei Shalamov (MitOst e.V.) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

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Путешествие в Ивано-Франковск – пересекая реальные и вымышленные границы между Россией и Украной.| Украина

от Сергей Шаламов, член правления MitOst e.V.
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Почти год назад правление MitOst приняло важное решение провести тринадцатый международный MitOst-Фестиваль в Ивано-Франковске, что в западной Украине. Решение важное и непростое, под стать политическим и общественным реалиям нового мира, в котором мы живём вот уже полтора года. Для нас это было и остаётся приглашением к взвешенному, продуктивному диалогу, основанному на взаимоуважении, к рефлексии, поиску путей решения новых и старых вызовов и активному участию в понижении градуса разобщения в обществе и возвращению ситуации в мирное русло.

Правление MitOst открыто к диалогу в отношении своего решения о проведении фестиваля в Украине. Безопасность участников фестиваля – важный критерий при выборе места проведения фестиваля. Многие тренеры и координаторы кооперационных программ и проектов MitOst регулярно приезжают в Украину для проведения семинаров и других мероприятий в . Поэтому можно с уверенностью сказать, что наши маршруты отлажены. А чтобы убедить особо недоверчивых, я решил на собственном примере показать, что страхи и нервозность, культивируемые СМИ и Интернетом, часто беспочвенны, и даже мужчины в возрасте от 25 до 60 лет без проблем могут въехать на территорию соседнего государства. Так, 6 июня я впервые прибыл в Украину, чтобы увидеть, чем живёт Ивано-Франковск, как дела у нашей фестивальной команды и представить, что же нас ожидает в сентябре.

Что особенного в Ивано-Франковске?
Это город с 350-летней историей, один из культурных центров страны с богатым наследием и большим потенциалом. Город небольшой – всего около 230 тыс. жителей – и очень уютный. Величественные церкви здесь соседствуют с гигантским административным зданием советской постройки, а улочки плутают между эпохами Австро-Венгерской империи, Польской республики, Советского Союза и независимой Украины. Но самое главное в каждом месте – это люди, которые там живут. Трёх дней недостаточно, чтобы изучить их характер. Но с уверенностью можно сказать, что молодёжь Ивано-Франковска, которая запросто шутит на острые темы («Я бандеровка»), кажется, не поддаётся политическому влиянию, видимо, в силу своей пока ещё легкомысленности. Молодые люди остаются любопытными, контактными, деятельными, с мощной мотивацией сделать свою страну лучше. А, с другой стороны, на меня произвели огромное впечатление представители местного бизнеса и власти, готовые сотрудничать в совершенно новом формате, фонтанирующие идеями и, несомненно, любящие свой город и развивающие его. После закрытия «пермского культурного проекта» и сворачивания в России сотрудничества государства, общества и бизнеса в области «негосударственной» культуры это словно глоток свежего воздуха и щемящая ностальгия (http://www.youtube.com/watch?v=q4pWTxArvQs).

Что важно знать?
Ехать на фестиваль безопасно. И неважно, какое у вас гражданство и на каком языке вы разговариваете. Очевидно, что юго-восточные области страны, в которых проводится военная операция, не желательны для поездок (auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/UkraineSicherheit.html). Но в Ивано-Франковске, Львове, как и на большей части территории страны, люди живут мирной жизнью: женятся, читают книги, шумно веселятся субботними вечерами, работают будними днями и так далее, чего и вам желают. За несколько дней моего пребывания я ни разу не почувствовал негативного к себе отношения как к гражданину Российской Федерации: вы можете спросить дорогу у прохожих на улице или заказать ужин в ресторане, или ехать с попутчиком в другой город, при этом свободно разговаривая на русском языке, и вам ответят, более того – заведут разговор, и наверное, даже не распознают в вас иностранца, ведь без паспорта непонятно, что вы, например, не родом из тех областей Украины, где традиционно говорят больше на русском языке.

Какова процедура пересечения границы Украины?
Ничего экстраординарного, хотя для россиян и действуют некоторые особые положения. Вам понадобится заграничный паспорт, приглашение от местного партнёра MitOst с указанием цели поездки, подтверждение брони обратного билета и брони отеля, страховка, а также некоторая сумма денег с собой в качестве подтверждения вашей платёжеспособности. Копии приглашения и других бумаг должно быть достаточно, но «твёрдые» копии желательно иметь при себе. Нововведением является необходимость прохождения интервью перед пересечением границы. В моём случае трое милых служащих пограничной службы в отдельном помещении попросили показать все необходимые бумаги, и через пять минут я спокойно получал багаж.

Не возникнут ли проблемы при пересечении границы РФ при выезде в Украину или возвращении домой?
Нет. Пограничной службе РФ во Внуково было совсем неинтересно ни направление, ни цель моей поездки. Несмотря на политические сложности, наши страны остаются в тесном контакте, и граждане обоих государств постоянно пересекают общую границу.

От лица правления MitOst я приглашаю вас принять участие в 13 Международном MitOst-Фестивале, который пройдёт с 23 по 27 сентября 2015 года. Лучше один раз увидеть, чем сто раз услышать. Добро пожаловать!
Если у вас появились вопросы, вы хотите поделиться своей историей путешествий в Украину или оставить комментарий, то можете связаться со мной по адресу shalamov(at)mitost.org.

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Visiting Ivano-Frankivsk – Crossing the Russian-Ukrainian Border by Sergei Shalamov (MitOst e.V.) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Международный MitOst-Фестиваль – это место встречи для всех, кому интересны межкультурный обмен и развитие гражданского общества в Европе и соседних регионах. Здесь встречаются мыслители и активисты, художники и политики, профессионалы и любители. Насыщенная и разнообразная программа включает почти 80 мероприятий и дает возможность познакомиться с интересными людьми, узнать новое, подумать и вдохновиться. Премьера MitOst-Фестиваля состоялась в 2003 году в венгерском городе Пече. С тех пор фестиваль путешествует по Европе и проходит каждый год в разных городах. Подробную информацию о концепции и истории фестиваля можно найти здесь.


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Visiting Ivano-Frankivsk – Crossing the Russian-Ukrainian Border | Ukraine

by Sergei Shalamov, member of the board of MitOst e.V.
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Almost a year ago the board of MitOst made an important decision to hold the 13th International MitOst-Festival in Ivano-Frankivsk in Western Ukraine. The decision, which is both important and difficult, well matched with the political and social realities of the new world we have been living in for a year and a half. For us, it was and still is an invitation to a deliberate, fruitful dialogue based on mutual respect, to reflect and to find solutions for old and new challenges, as well as participate actively in reducing the degree of separation in the society and in returning the situation to a peaceful course.

The board of MitOst is frank to a dialogue about the decision to hold the festival in Ukraine. Safety of participants of the festival is an important criterion when choosing a venue for the festival. Many facilitators and coordinators of cooperation programmes and projects of MitOst regularly travel to Ukraine for seminars and other events. Therefore, we can say with confidence that our routes are fine-tuned. And in order to convince those who are particularly incredulous, I decided to demonstrate with my own example that fears and nervousness, cultivated by media and the Internet, are often groundless, and even men between the age of 25 to 60 can enter the territory of the neighboring state without any problems. Thus, on June 6th I arrived in Ukraine for the first time to see how life in Ivano-Frankivsk is like, how our festival team is doing and imagine what can be expected for the September.

What is special in Ivano-Frankivsk?
It is a city with 350 years of history, one of cultural centers of the country with a rich heritage and great potential. The town isn’t big – about 230 thousand inhabitants – and very cozy. The majestic church stands here side by side with the giant Soviet-built office building and the streets wander between the epochs of the Austro-Hungarian Empire, the Republic of Poland, the Soviet Union and independent Ukraine. But the most important are the people who live in Ivano-Frankivsk. Three days are not enough to get to know the character of a city and it’s inhabitants. But I may say with certainty that the youngsters of Ivano-Frankivsk, who simply joking on controversial topics (“I am a banderovka” = “I am a follower of nationalistic movement”), do not seem amenable to political influence, probably because of being as yet light-minded. The young people remain curious, sociable and active, with a strong motivation to make their country better. And, on the other hand, I was greatly impressed by local entrepreneur and public agents, who are ready to work in a completely new format, gushing with ideas and, for sure, loving their town and developing it. After the so-called “Perm cultural project” in Russia was shut down and cooperation between the government, the society and business in the field of “non-state” culture has been curtailing the development in Ivano-Frankivsk is to me like a breath of fresh air and poignant nostalgia at once (Video about Ivano-Frankisvk).

What is important to know?
Visiting MitOst-Festival is safe. And no matter what your nationality is and what language you speak. Obviously, the south-eastern parts of the country, in which military actions are being conducted, are unwanted to go (check  travel and safety information, here you’ll find the information from the Federal Foreign Office about traveling to Ukriane). But in Ivano-Frankivsk, Lviv, as in much regions of the country, people are living a peaceful life: getting married, reading books, having fun on Saturday nights, working weekdays and so on, and wishing you all the same. During a few days of my stay, I have never felt a negative attitude towards myself as a citizen of the Russian Federation: you’re free to ask people in the streets for directions or order dinner at a restaurant, or go with car sharing to another city, with talking Russian, and they’ll tell you, in fact – start a conversation, and probably won’t even recognize you are a foreigner without a pass check because it is not obvious that you are not by origin from those regions of Ukraine, where people traditionally speak more Russian.

What is the procedure of crossing the border of Ukraine?
Nothing extraordinary, but some special procedure runs for the Russians. You will need a foreign passport, an invitation from the local partner of MitOst indicating the purpose of your visit, booking a return ticket and a hotel reservation, an insurance policy, as well as some money with you in order to prove your ability to pay during your stay. Copies of the invitation and the other papers should be enough, but you’d rather have “hard” copies as well. New is the necessity of holding an interview before you’re allowed to cross the border. In my case, three cute border officers in a separate room asked me to show all the necessary papers, and five minutes later I was easily getting my luggage.

Won’t there any problems appear when crossing the border on the way to Ukraine or returning home?
No. Border Guard Service of the Russian Federation in Vnukovo was barely interested in a direction, or a purpose of my trip. Despite the political difficulties, our countries remain in close contact, and citizens of both countries are constantly crossing the common border.

On behalf of the Board of MitOst I kindly invite you to participate and join the 13th International MitOst-Festival, which will take place from the 23rd until the 27th  of September 2015. Seeing is believing. Welcome!

If you have any questions, want to share your story of travel to Ukraine or leave a comment, you can contact me via shalamov(at)mitost.org


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Visiting Ivano-Frankivsk – Crossing the Russian-Ukrainian Border by Sergei Shalamov (MitOst e.V.) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

The International MitOst Festival is a meeting point for all those who are interested in cultural and civic exchange in Europe and its neighbouring regions. It brings together thinkers and activists, experts and newcomers. A diverse programme with more than 80 events provides space for networking, learning, reflection and inspiration. Since its premier in the Hungarian city Pécs in 2003, the festival has been migrated through Europe and taken place every year in another city. Check out the website mitostfestival.org/en/.
MitOst promotes cultural exchange and active citizenship in Europe and its neighbouring regions. With 1.400 members in 40 different countries as well as with various partners we are part of a dynamic European network. We organise international programmes and projects and serve as a platform for new forms of social engagement and projects. The annual International MitOst Festival brings our network together.


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The Voice of Civil Society in Armenia

by Diana Chobanya, coordination team of EcoLab

We are living in an increasingly globalized world, where walls are crumbling and falling every day. The fall of barriers between nations exposes us to global diversity and variety. We need to embrace this multiculturalism and human variety in order to keep up with the rest of the global community. Globalization and technical advancements have undoubtedly accelerated and improved the way we vote, protest, learn and live. These developments have led to the strengthening of civil society in almost all parts of the world.

In Armenia, the voice of civil society is becoming louder and more confident, thus contributing to democratic governance, transparency and participatory politics. The unrestricted voice of Armenian civil society can now be heard on the streets of Yerevan, in marzes (regions of Armenia) and all over social media platforms. The vestige of Soviet authoritarian and paternalistic political processes is however unfortunately still evident in Armenia. Its consequence is ruthless and shocking social injustice, and persistent violation of human rights and democratic values resulting in social apathy and emigration.
In the current situation, education and empowerment of the young generation is one of the best recipes for bringing about positive change. In order to be active members of the global community, young people need to be well informed about global challenges, respectful of other cultural and religious practices, and have a decent understanding of their role as change-makers in our society.

RA Ministry of Education and Science introduced a reform called “Education Quality and Relevance” to develop the post-Soviet educational system in newly-independent Armenia. The reform responded to outdated educational standards and textbooks, inconsistencies in assessment, and the predominance of teacher-centred teaching methods (Tovmasyan & Thoma, 2008). In 2000, the RA Ministry of Education and Science decided to amend the state curricula for secondary education by adding “human rights, civic education, and state and law”. Starting with 2001 these “legal block” subjects were taught in secondary school for eighth to tenth grades (Gyulbudaghyan, Petrosyan, Tovmasyan & Zohrabyan, 2007, p. 21).

Studies have shown that civic education is no longer an abstract subject that teachers struggle to comprehend. The Ministry of Education and Science has introduced informative and useful textbook and thematic trainings/seminars for teachers. Nonetheless, the subjects they have introduced fail to equip students with civic skills, emphasizing only the knowledge of rights and responsibilities. The Citizen’s Awareness and Participation in Armenia Survey (IFES, 2003) confirms that young adults (18-25 years old) are not only less interested and involved in politics but also have a lower level of civic participation that those aged 26 and above. It can therefore be concluded that there is a gap in the civic education of the young people in Armenia which consequently leads to low social consciousness and awareness and an even lower level of civic activism.

The Ministry has acknowledged the need for high-quality civic instruction which would fill the gap in civic education in the Armenian context. Nevertheless, it has failed to take adequate measures and, as a result, young Armenians lack civic competencies and skills. Fortunately, the civil sector has taken over and started offering civic trainings, courses and seminars which combine civic “knowledge” with its practical application. These educational measures use synergies from formal and non-formal education to deliver breath-taking content. The hallmark of these courses is that they not only enhance the learners’ knowledge about civil society, but also shape learners’ civic competencies and promote active citizenship and democratic values. EcoLab, the active citizenship project that I coordinate is a vivid illustration of how an NGO project can empower and educate young people more efficiently than the school curriculum on civic education. I myself am a “product” of EcoLab, which provided the civic education that the educational system did not.

Overall, I am hopeful that similar projects, which nurture learners’ civic literacy and emphasize such core concepts as democracy, rights and responsibilities, will be offered more widely. Also, I hope that by that time the Ministry of Education will appreciate both independent and autonomous learning and higher civic participation, and include both in its comprehensive list of educational objectives.

EcoLab
Diana Chobanyan is part of the coordination team of EcoLab. EcoLab empowers young Armenians to change their local community by fostering sustainable development. Participants implement their own projects in small teams in their cities and villages. These projects focus on sustainable local economy, non-formal education and community mobilisation. EcoLab is an cooperation program of Theodor-Heuss-Kolleg. More information on theodor-heuss-kolleg.de.

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NGO-Szene Bulgarien

Sie arbeiten für unterschiedliche NGOs in Bulgarien. Rozalina Laskova, Yanina Taneva und Svetozar Gradev schauen auf ihre eigene Arbeit und die Entwicklungen der NGOs in Bulgarien. Sie reflektieren über die Bürgerprotestbewegung der letzten Jahre und deren Auswirkungen auf die NGOs im Land. Sie schauen gemeinsam in die Zukunft Bulgariens.

Rozalina Laskova
Hintergrund: Geschäftsführerin der Iliev Dance Art Foundation in Sofia, freiberufliche Kulturmanagerin und Beraterin zu Themen wie Kultur- und Kreativindustrien, EU-Finanzierung, Social Entrepreneurship und kulturelle Bildung
Interessen: Kunst, Medien und Demokratie, (Social) Innovation, Führung
Die größte Herausforderung der letzten Monate für dich: Den größtmöglichen Nutzen aus meiner Teilnahme an einem großen, transatlantischen Leadership Development Programm – dem Marshall Memorial Fellowship der GMF – zu ziehen.
Organisation: Iliev Dance Art Foundation
Aktivitäten: Tanzkunst – Tanztraining, Community-Projekte und -produktionen
Ort: Sofia, Bulgarien
Aktiv seit: 2008
Motivation eine NGO zu gründen: Die Notwendigkeit professionelle Tanzausbildung zu fördern und zu verbessern sowie die Tanzkunstszene in Bulgarien nach Weltstandards zu entwickeln.

Yanina Taneva
Hintergrund: Medien, Kulturanthropologie, Theaterwissenschaften in der sozialen Psychotherapie.
Interessen: Kollektive Intelligenz, Bürger, die ihre Kreativität in die Tat umsetzen
Die größte Herausforderung der letzten Monate für dich: Der Versuch kommunale und staatliche Verwaltung in Vorhaben einzubeziehen und deren Verständnis für die Bedeutung der Worte „Zusammenarbeit“ und „Innovation“ zu schärfen.
Organisation: IDEAS FACTORY
Aktivitäten: Soziale Innovation, Social Innovation Challenge, Changemakers Academy, Forum Theater, Baba Residence
Ort: Sofia und Plovdiv, Bulgarien
Aktiv seit: 2007
Motivation eine NGO zu gründen: Themen, die ungehört sind, eine Stimme geben. Zugleich wollen wir neue Methoden finden, ihnen zu begegnen und mit ihnen umzugehen.

Svetozar Gradev
Hintergrund: Ökonom und Ingenieur
Interessen: Projektmanagement, Nachhaltige Entwicklung, Ökonomie und Internationale Beziehungen
Die größte Herausforderung der letzten Monate für dich: Die Vorbereitung von zwei Projekten in der Donauregion gefördert durch EEA Grants und Norway Grants.
Organisation: Novo Badeste (auf deutsch „Neue Zukunft“)
Aktivitäten der NGO: Mit der Stärkung von jungen Erwachsenen und deren Gemeinschaften setzt sich Novo Badeste für nachhaltige Entwicklung und die nachhaltige Nutzung von Ressourcen ein.
Größe: 100 Mitglieder
Ort: Burgas, Bulgarien
Aktiv seit: 2007
Motivation eine NGO zu gründen: Die Entwicklung einer aktiven Zivilgesellschaft in Bulgarien, die Stärkung des Umweltbewusstseins durch Projektarbeit, Partnerschaften und Einbindung von Entscheidungsträgern, und die Identifikation mit europäischen Werten und Ideen in der Bulgarischen Gesellschaft zu stärken.

Hatten die Proteste in Bulgarien von 2013 Auswirkung auf den NGO-Sektor?
Yanina: Es wurde deutlich, dass viele NGOs an den realen Bedürfnissen und Interessen unserer Gesellschaf vorbei wirken. Diese Entwicklung hat den erfrischenden Effekt, dass die Rolle von NGOs in der Gesellschaft in Bulgarien überdacht wird. Mir stellte sich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Rolle NGOs heute einnehmen, wenn Menschen selbst fähig sind sich über Social Media Kanäle schnell und effizient zu organisieren.
Ähnlich, wie in den meisten osteuropäischen Ländern, bildete sich in den 1990er Jahren ein NGO-Sektor, der eher korrupt war. Dadurch litt das Ansehen von NGOs in der Bevölkerung. Heute formt sich der Sektor neu und organisch und es bildet sich eine starke und parteienunabhängige Zivilgesellschaft. Sie existiert unabhängig vom NGO-Sektor. Diese Entwicklung zeigt, dass gesellschaftlicher Wandel durch die Gesellschaft selbst angestrebt werden muss, nicht durch einen bestimmten Sektor.
Rozalina: Die Protestbewegung hat einen Teil der Bulgarischen Gesellschaft – einzelne Menschen, Aktivisten und NGOs – zusammengebracht und ihr Engagement über die aktuellen Proteste hinaus aktiviert. Viele NGOs wurden ermutigt, ihre Stimme zu erheben. Die Zivilgesellschaft und NGOs wurden trotz dieser positiven Effekte nicht nur gestärkt. Es gab auch Kampagnen in den Medien, die diese Entwicklung sehr negativ darstellten.
Svetozar: Ein positiver Effekt ist, dass Politiker nun Respekt und vielleicht auch etwas Angst vor der Zivilgesellschaft in Bulgarien haben. Sie nehmen den Einfluss der Menschen ernster. Die Protestbewegung in Bulgarien hat Einfluss auf die Entwicklung politischer Strukturen im Land. Akteure aus dem NGO-Sektor werden zunehmend von der Politik eingeladen, sich an Debatten zu beteiligen.
Yanina: Nicht zuletzt haben die Menschen hier verstanden, dass sie gemeinsam mehr erreichen können, gerade wenn es darum geht, wie in Bulgarien, ein politisches und korruptes System zu verändern. Es bildeten sich Koalitionen verschiedener Interessensgruppen. Der Antrieb der Leute liegt darin, dass sie sich durch die Politiker nicht gut vertreten fühlen. Wie in vielen anderen Ländern auf der Welt, sind auch in Bulgarien 65% der Bevölkerung nicht im Parlament vertreten und somit von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.

In welchen Bereichen engagieren sich NGOs?
Rozalina: Ich würde sagen, in den Bereichen Umweltschutz, Sozialfürsorge, Jugend und Bildung sowie im Kulturbereich sind die NGOs hierzulande sehr aktiv.
Svetozar: Ich habe einen ähnlichen Eindruck. Es gibt viele Aktivitäten rund um Umweltschutz, Sport und Kultur und im sozialen Bereich. Inhaltlich beschäftigen sich auch viele NGOs mit Sinti und Roma.
Yanina: In den letzten Jahren hat das Thema Umweltschutz tausende Menschen mobilisiert. Eine Bewegung engagierter Bürger, die sich für die Reformierung unseres Bildungssystems einsetzt, hat sich gebildet. Grundsätzlich sind bulgarische NGOs in Bereichen der Sozialfürsorge sehr aktiv. Sie übernehmen Aufgaben, die eigentlich durch den Staat getragen werden sollten. Ein Beispiel dafür: das Engagement in Kinder- und Waisenheimen. Diese Institutionen sind ein unmenschliches Überbleibsel aus sozialistischen Zeiten. Neue Themen sind Migration und das Recht von Migranten, die mit den Konflikten im Nahen Osten aufgekommen sind. Die Flüchtlingsbewegung löste eine unglaubliche und sehr wichtige Debatte innerhalb der Gesellschaft aus und führte auch zu Meinungspolarisierung in Bezug auf die Rechte von ethnischen sowie religiösen Minderheiten, die seit Jahrhunderten in Bulgarien leben. Im Zuge dessen gründeten sich viele neue Initiativen.

Welche Themen sind unpopulär?
Svetozar: Menschenrechte und Menschenrechtsverletzungen. Meiner Meinung nach auch Sozialunternehmertum.
Yanina: Das Gesundheitssystem, welches nicht zuletzt verantwortlich ist für viele Menschenrechtsverletzungen und der fehlende Zugang zum Gesundheitswesen. Tabuisiert wird auch die Thematik Armut und ihre Wurzeln sowie Homosexualität und die Kontrolle über die Verwendung von öffentlichen Geldern.
Rozalina: Mir fällt auf, dass Fragen rund um das Älterwerden und alte Menschen vernachlässigt werden. Es ist schwer zu sagen, denn in allen Bereichen gibt es unbeliebte Themen. NGOs tendieren oft dazu auf akute Probleme und Herausforderungen zu reagieren und eher „sichtbare“ Themen in ihrer Arbeit aufzugreifen.

Was ist die größte Errungenschaft für den NGO-Sektor in Bulgarien in den letzten Jahren?
Yanina: Gerechtigkeit, im rechtlichen Sinne, und Umweltbelange sind öffentliche Angelegenheiten. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein und das Verständnis dafür ist gewachsen.
Rozalina: Wir ringen um mehr Mitspracherecht in politischen Prozessen und Entscheidungsprozessen. Wir sind dabei nicht immer erfolgreich, es ist aber auch eine wirklich große Herausforderung. In den letzten Jahren wurden immer wieder politische Entscheidungen überdacht und letztendlich neu verhandelt auf Grund der Proteste und Aktionen von NGOs. Das ist ein echter Erfolg. Dass unsere Aktivitäten etwas bewirken macht Hoffnung und es stärkt die Zivil Gesellschaft in Bulgarien. Es wurde auch eine Strategie für die Entwicklung von Organisationen der Zivilgesellschaft auf Regierungsebene erarbeitet, nur wurde sie bis heute nicht wirklich umgesetzt.
Svetozar: Die Proteste haben etwas bewirkt. Dank ihrer konnten beispielsweise mehrere Nationalparks vor Baumaßnahmen bewahrt werden. Ein Erfolgsmoment für mich persönlich war, als Novo badeste von der Europäischen Kommission 2013 einen Preis im Rahmen der Sustainable Urban Mobility Campaign „DO THE RIGHT MIX“ gewann.

Gibt es regionale oder spezielle Herausforderungen, denen die NGOs in Bulgarien begegnen?
Rozalina: Viele Organisationen neigen dazu, zu reagieren und nicht zu agieren. Statt Lösungsvorschläge und konstruktive Ideen anzubieten oder gute Lösungsansätze zu unterstützen, werden sie nur aktiv gegen bestimmte Entscheidungen oder gesellschaftliche Probleme. NGOs bewegen sich in Bulgarien in einem unsicheren rechtlichen Raum. Die Beschneidung der Meinungs- und Pressefreiheit in Bulgarien macht deutlich, in welchem Rahmen NGOs sich oftmals mit ihren Aktivitäten bewegen. Zudem gibt es keine nachhaltige Finanzierung durch den Staat. Es gibt keinen Wettbewerb um staatliche Förderungen.
Yanina: Die Medien sind an einem Ort konzentriert, es gibt Zensur und einen Mangel an Förderprogrammen im Gegensatz zum Wachstum des Sektors. Innovative Vorhaben brauchen Förderungen im Rahmen von 2.000 bis 20.000 Euro an Stelle einer Projektförderung von 250.000 Euro. Der Mehrwert wäre viel höher, auf Bedürfnisse in den Regionen könnte besser reagiert werden.
Svetozar: Herausforderungen, wie Umweltverschmutzung, der Aufbau einer starken Zivilgesellschaft, Arbeitslosigkeit und auch Integration der Roma und Sinti werden in den Teilregionen Bulgariens oft nicht wahrgenommen. Im Mittelpunkt steht die Hauptstadt. Das liegt wohl an daran, dass dort auch die Politik gemacht wird.

Wie ist die Haltung der bulgarischen Bevölkerung gegenüber NGOs?
Yanina: NGOs, die sich durch ausländische Mittel finanzieren, stehen dem Vorwurf gegenüber, auch ausländische Interessen zu vertreten. Diese Haltung ist nicht mehr weit verbreitet, existiert aber.
Rozalina: Vor ein paar Jahren kam es häufig vor, dass Parteien oder Unternehmen Stiftungen und Organisationen gründeten, um Projektmittel bei der EU zu beantragen, die dann nicht für die geplanten Vorhaben eingesetzt wurden. Das hat Misstrauen geschaffen. Wenn heute Stiftungen Initiative oder Projekte starten sind die Menschen noch immer skeptisch. Jedoch ist die Haltung der Gesellschaft gegenüber dem Dritten Sektor Zusehens besser und differenzierter. Die Änderungen auf nationalem Level im Rahmen der EU-Förderprogramme schaffen bessere Kontrollen und höhere Transparenz, wo und wie die Gelder eingesetzt werden.
Svetozar: Das sehe ich auch so. Diese Art von NGOs, gegründet auf den Interessen von Politikern, Parteien oder Unternehmen, führte nicht zu einer Entwicklung einer Zivilgesellschaft oder einem positiven gesellschaftlichen Wandel. Jetzt gibt es unabhängige Organisationen, die von der Bevölkerung unterstützt werden. Im Moment vor allem durch ehrenamtliche Hilfe, der Finanzkrise geschuldet, ist eine sehr geringe finanzielle Unterstützung.

Wächst das zivilgesellschaftliche Engagement innerhalb der Bevölkerung?
Rozalina: Immer mehr Leute investieren ihre Zeit in ehrenamtliches Engagement. Sie sind aktiv in ihren Gemeinden, engagieren sich für NGOs oder beteiligen sich an gesellschaftlichen Bewegungen. Diese Beobachtung macht mich sehr glücklich.
Yanina: Die Menschen bestehen stärker darauf, ihre Gesellschaft, ihr Land mitzugestalten. Diese Entwicklung ist nicht nur in Bulgarien zu beobachten. Die politischen Entscheidungsträger der letzten 70 Jahre haben daran gearbeitet, dass die Bulgaren heute wenig Vertrauen in Politik haben. In einem System, das so kaputt ist, ist dies die richtige Haltung und ihr Aktivismus ist eine absolut richtige Antwort darauf.

Wer ist in die Aktivitäten deiner NGO involviert?
Svetozar: Wir beziehen Ehrenamtliche der Jugendarbeit ein. Wir binden auch Entscheidungsträger und Politiker auf lokaler sowie regionaler Ebene ein. Bei unseren Aktivitäten sind meist junge Leute involviert. Das hängt immer vom Projekt und den jeweiligen Zielgruppen ab. Repräsentanten unserer Partnerorganisationen beteiligen sich auch.
Yanina: Unsere Changemakers aus dem Changmakers-Network und natürlich die Mitarbeiter und alle ehrenamtlichen Helfer arbeiten mit uns zusammen. Involviert sind NGOs, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen. Dazu kommen Medienvertreter und das Netzwerk um die „European Capital of Culture 2019 – Plovdiv“ sowie Zielgruppen mit denen unsere Alumni arbeiten und interagieren.
Rozalina: Die meisten Menschen sind mit unserer Vision und unseren Aktivitäten verbunden, zum Beispiel die Tänzer selbst, ihre Familien oder auch Teilnehmer unserer Programme sowie Menschen die Kunst und Tanz mögen.

Wie viele Mitarbeiter und/oder ehrenamtliche Helfer sind an eure NGO gebunden?
Svetozar: Für Novo Badeste arbeiten im Moment fünf Leute und die Organisation wird von drei Leuten gesteuert – den Vorstandsmitgliedern. An der konkreten Umsetzung unserer Projekte, Aktivitäten und Kampagnen arbeiten etwa zwanzig junge Ehrenamtliche mit.
Yanina: Unser Team besteht aus sieben Leuten. Unser Changemakers-Netzwerk besteht aus über hundert Alumni. In den letzten drei Jahren begleiteten uns zehn Praktikanten und mehr als sechzig Ehrenamtliche haben sich beteiligt.
Rozalina: Wir haben drei festangestellte und etwa fünfzehn externe Mitarbeiter, die regelmäßig mit uns an der Umsetzung von Projekten arbeiten. Für unterschiedliche Kampagnen und Projekte arbeiten jedes Jahr in etwa zehn bis fünfzehn Ehrenamtliche bei uns und drei bis fünf Hospitanten.

Seid ihr mit euren Themen Alleingänger oder habt ihr viele Mitstreiter?
Svetozar: Bei all unseren Vorhaben setzen wir auf die Zusammenarbeit mit Partnern und Förderern. Das gibt uns die Möglichkeit der größtmöglichen Unterstützung unserer Vorhaben, durch Know-How, Austausch und, auch sehr wichtig, Feedback und konstruktive Kritik für unsere Arbeit.
Yanina: Wir haben es geschafft Teil eines guten und großen Netzwerks zu werden, was sich jeden Tag auszahlt. Partnerschaften, Koalitionen und Netzwerke sind für gesellschaftliche Veränderungen unerlässlich, im Alleingang kann man das nicht bewirken. Eine unserer letzten Bemühungen war das Projekt EMPATHEAST, für das wir mehr als 40 Partner gewinnen konnten.
Rozalina: In Bulgarien gibt es glücklicherweise viele aktive Organisationen, die ihr Arbeitsfeld den Darstellenden Künste widmen. Genau wie wir engagieren sie sich in der Kulturpolitik, bemühen sich die bestehenden Strukturen zu verbessern oder zu verändern, auch in Kooperation mit Ministerien und staatlichen Behörden.
Mit wem arbeitet ihr zusammen?

Habt ihr regionale Partner und/oder internationale Kooperationen?
Svetozar: Wir haben regionale und international Partner, andere Organisationen und auch Behörden wie zum Beispiel das Youht Information Centre, Thracian Society “Exarch Antim I”, Ideas factory, Veloevolution, National Cycling Association oder das Czech Centrum Sofia. Auf internationaler Ebene arbeiten wir mit EUROCITIES, dem Regional Environmental Center Romania, dem Regional Environmental Center Turkey, dem Caucasian House – Georgia und natürlich mit MitOst e.V..
Yanina: Wir haben ein gutes internationales Netzwerk in Europa und in Afrika, natürlich auch auf dem Balkan. Unsere Partner sind Romania – Art Fusion, Balkans – SEEYN, London – LEAD International, wir haben Partner in Tansania, Uganda, Ghana und im Senegal, um nur einige zu nennen.
Rozalina: Das hängt ganz von dem jeweiligen Projekt und der Initiative ab. Wir arbeiten mit vielen verschiedenen Partnern von der America for Bulgaria Foundation oder der Amerikanischen Botschaft über Gemeinden und Städte wie Sofia und Burgas bis hin zu Institutionen wie Theatern und Kunstschulen zusammen. Gemeinschaftsprojekte führen wir ebenso mit anderen NGOs und Organisationen, die im Bereich Darstellende Kunst tätig sind, in Bulgarien durch.

Seid ihr Teil eines etablierten Netzwerks in diesem Bereich?
Yanina: Wir sind in unserem Teil der Welt gut eingebunden in Netzwerke. Im Bereich Social Impact und Social Innovation kann das Netzwerk in Osteuropa aber noch stärker und verzweigter werden.
Svetozar: Wir sind Mitglied bei MitOst und dem Bulgarian Bicycle Netzwerk. Im Moment arbeiten wir daran in Bulgarien auch ein Netzwerk von Social Entreprenreus und Innovatoren zu etablieren.
Rozalina: Ja, wir sind Teil verschiedener informeller Netzwerke für Darstellende Künste (performing arts) in Bulgarien. Auf einer europäischen Ebene ist das noch nicht der Fall. Da möchten wir gerne hin.

Wie verbreitet sind transsektorale Kooperationen?
Svetozar: Wir arbeiten eng mit regionalen Behörden zusammen und streben bei jedem unserer Projekte eine gemeinsame Implementierung an.
Yanina: Das ist eines unserer größten Anliegen. Wir arbeiten viel mit der Workshop-Methode „World Café“. Dabei bringen wir verschieden Akteure aus der Verwaltung, Kultur und Kunst, Jugendarbeit und den Medien zusammen. Wir laden sie ein, gemeinsam an gesellschaftlichen Veränderungen zu arbeiten. Ich bin überzeugt, dass wir neue Formen des Zusammenkommens dringend brauchen.
Rozalina: In Bulgarien ist das im Moment sehr üblich. Glücklicherweise haben sich in unserem Arbeitsfeld Kooperationen zwischen beispielsweise Kulturorganisationen und Bildungseinrichtungen etabliert.

Wie finanziert ihr eure Arbeit? Wer finanziert die Arbeit eurer NGO?
Svetozar: Wir implementieren Projekte. Für diese beantragen wir Fördergelder bei verschiedenen Programmen in Bulgarien und bei der EU.
Yanina: Wir finanzieren uns über Stiftungsgelder einer amerikanischen Stiftung, durch öffentliche Gelder und EU-Mittel. Wir erhalten auch Spenden. Etwa 8 bis 12 % unserer Einnahmen erwirtschaften wir selbst durch eigene Dienstleistungen.
Rozalina: Wir finanzieren uns über Projektmittel, die meist von größeren ausländischen Organisationen und Kulturinstitutionen oder Botschaften kommen. Dazu kommen kleine Budgets aus kommunalen Töpfen und Spenden von Privatpersonen. Einen Teil der Mittel erwirtschaften wir selbst.

Mit welchen Herausforderungen seid ihr in eurer Tätigkeit konfrontiert?
Svetazor: Wir wollen kontinuierlich unsere Arbeit ausbauen und für eine sichere und zukunftsfähige Finanzierung sorgen. Unser Ziel ist es, auf Maßnahmen und politische Entscheidungen in unserer Region Einfluss nehmen zu können. Das verlangt eine Menge an kreativen Ideen und professioneller Entwicklung.
Yanina: Intern sehe ich Wachstum als eine schöne, aber auch unberechenbare Herausforderung vor der wir stehen. Als externen Faktor, der uns herausfordert, sehe ich Skepsis und Anti-Kampagnen, die einem in diesen Zeiten doch auch entgegenschlagen, wenn man im NGO-Sektor tätig ist.
Rozalina: Langfristig gesehen wird unsere größte Herausforderung die stabile Finanzierung unserer Aktivitäten sein und das Wachstum sowie die Belastbarkeit unserer Organisationsstrukturen.

Das Interview wurde aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Laura Werling und Mary Dellenbaugh.
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